Ölpreise stabil trotz geopolitischer Spannungen
Ukraine-Krieg und steigende US-Rohölbestände beeinflussen den Markt unterschiedlich

Der Ölpreis blieb am Mittwoch weitgehend stabil, da die Sorgen über mögliche Lieferunterbrechungen aus Russland durch den Ukraine-Krieg die Auswirkungen von Daten zu steigenden US-Rohölbeständen ausglichen. Brent-Rohöl-Futures für Januar stiegen um 0,3 % auf 73,53 US-Dollar pro Barrel. US-West-Texas-Intermediate-Rohöl (WTI) für Dezember, dessen Kontrakt am Mittwoch ausläuft, legte um 0,5 % auf 69,70 US-Dollar zu. Der aktivere WTI-Kontrakt für Januar stieg um 0,3 % auf 69,48 US-Dollar.
Die Eskalation des Krieges zwischen Russland, einem der größten Ölförderländer, und der Ukraine stützte die Ölpreise in dieser Woche. Laut Marktanalyst Yeap Jun Rong von IG dürften die Brent-Preise vorerst oberhalb der 70-Dollar-Marke bleiben, während die geopolitischen Entwicklungen weiterhin genau beobachtet würden. Am Dienstag hatte die Ukraine nach russischen Angaben erstmals US-ATACMS-Raketen eingesetzt, um russisches Gebiet zu beschießen. Gleichzeitig senkte der russische Präsident Wladimir Putin die Schwelle für einen möglichen Atomwaffeneinsatz.
Laut Harry Tchilinguirian, Forschungsleiter bei der Onyx Capital Group, zeigte der Ölmarkt nach den US-Wahlen zunächst wenig Bewegung. Allerdings habe sich die Dynamik in den vergangenen Tagen aufgrund einer vorübergehenden Produktionsunterbrechung in der Nordsee und der zunehmenden Intensität des Ukraine-Konflikts verstärkt. Die norwegische Equinor teilte am Mittwoch mit, dass die Produktion auf dem Johan-Sverdrup-Ölfeld in der Nordsee nach einem Stromausfall vollständig wiederhergestellt wurde. Die Förderkapazität des Feldes liegt bei rund 755.000 Barrel Öläquivalent pro Tag.
Auf der Nachfrageseite stiegen die US-Rohölbestände in der Woche bis zum 15. November um 4,75 Millionen Barrel, wie Marktquellen unter Berufung auf Daten des American Petroleum Institute berichteten. Analysten hatten lediglich einen Anstieg von 100.000 Barrel erwartet. Demgegenüber sanken die Benzinbestände um 2,48 Millionen Barrel, während ein Anstieg um 900.000 Barrel prognostiziert wurde. Auch die Destillatbestände verringerten sich um 688.000 Barrel.
Offizielle Regierungsdaten zu den Lagerbeständen werden im Laufe des Tages erwartet. Sollte die vorläufige Schätzung des API bestätigt werden, könnte der Markt laut Tchilinguirian wieder auf das Niveau zu Beginn der Woche zurückfallen.
