Ölpreise sinken nach Produktionsrestart in Norwegen
Geopolitische Spannungen und Marktstruktur halten den Rückgang begrenzt

Ölpreise verzeichneten am Dienstag einen Rückgang, ausgelöst durch die Wiederaufnahme der Produktion auf dem norwegischen Johan-Sverdrup-Ölfeld. Trotz dieser Entwicklung wurde der Preisrückgang durch Befürchtungen über eine Eskalation im Russland-Ukraine-Konflikt begrenzt. Equinor, Betreiber des größten Ölfeldes in Westeuropa, hat nach einem Stromausfall die Produktion teilweise wieder aufgenommen. Der Ausfall hatte am Montag zu einem Preisanstieg von über drei Prozent geführt.
Die Preise für Brent-Rohöl fielen um 45 Cent beziehungsweise 0,6 Prozent auf 72,85 US-Dollar pro Barrel. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 46 Cent oder 0,7 Prozent und notierte bei 68,70 US-Dollar. Laut Giovanni Staunovo, Analyst bei UBS, sei die teilweise Wiederinbetriebnahme des Sverdrup-Ölfeldes der Hauptgrund für den Preisrückgang, verstärkt durch einen etwas stärkeren US-Dollar. Der Dollar stieg am Dienstag und näherte sich seinem Einjahreshoch, was Rohstoffe für Käufer in anderen Währungen verteuert und tendenziell auf die Preise drückt.
Unterstützung für die Preise bot jedoch eine andauernde Produktionsreduktion in Kasachstan. Das größte Ölfeld des Landes, Tengiz, verzeichnete aufgrund von Reparaturarbeiten einen Produktionsrückgang von 28 bis 30 Prozent. Die Arbeiten sollen laut Angaben des Energieministeriums bis Samstag abgeschlossen sein.
Geopolitische Spannungen wirkten ebenfalls preisstabilisierend. Die US-Regierung unter Präsident Joe Biden hat eine Richtungsänderung in ihrer Ukraine-Politik vorgenommen und erlaubt nun den Einsatz von US-Waffen für Angriffe innerhalb Russlands. Zwei US-Beamte und eine mit der Entscheidung vertraute Quelle bestätigten dies am Sonntag. Der Kreml kritisierte diese Entscheidung scharf und warnte vor einer erhöhten Konfrontationsgefahr mit der NATO. Am Montag erklärte Russland, dass es auf diese "unverantwortliche Entscheidung" reagieren werde.
Anleger blieben vorsichtig. Laut Toshitaka Tazawa von Fujitomi Securities herrscht Unsicherheit über die weitere Entwicklung des Konflikts nach den jüngsten Eskalationen. Trotz stabiler Ölpreise schwächte sich die Marktstruktur ab. Erstmals seit Februar kehrte der US-Rohölmarkt am Montag in eine Contango-Situation zurück, was auf eine Entspannung des Angebotsdrucks hindeutet.
