Nahost-Konflikt erschüttert Märkte: Öl, Währungen und Aktien
Militärische Auseinandersetzungen zwischen USA und Iran treiben Ölpreise um 7 Prozent nach oben und belasten globale Finanzmärkte.

Die eskalierenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben globale Finanzmärkte in Aufruhr versetzt. Brent-Rohöl verteuerte sich um mehr als 7 Prozent, Gold legte 2,0 Prozent zu, während europäische Aktienindizes im Schnitt über 2,0 Prozent einbrachen. US-Index-Futures notierten ebenfalls im Minus.
Analysten der Bank of America (BofA) und des australischen Finanzhauses Macquarie warnen vor anhaltenden Inflationsrisiken. Selbst ohne physische Zerstörung von Produktionsanlagen könnten Hamsterkäufe und explodierende Versicherungskosten einen starken Preisauftrieb erzeugen. Die Prämien für Schiffsdurchfahrten durch die strategisch wichtige Straße von Hormus stiegen bereits um 25 bis 100 Prozent.
Währungsgewinner und -verlierer
Historische Muster zeigen klare Gewinner und Verlierer bei Ölpreisschocks. Der US-Dollar und der Kanadische Dollar (CAD) gehören laut BofA zu den Outperformern, da beide Volkswirtschaften von höheren Energiepreisen profitieren. Unter Druck geraten dagegen der Neuseeland-Dollar, der Australische Dollar, die Schwedische Krone und der Japanische Yen.
Die Schwäche des Yen erklärt sich durch Japans hohe Abhängigkeit von Energieimporten. Dies beeinträchtigt seinen traditionellen Status als sicherer Hafen in Krisenzeiten erheblich. Bislang reagierten die Devisenmärkte noch moderat, mit einer allgemeinen USD-Stärkung.
BofA hebt attraktive Absicherungsstrategien hervor: Positionen in CAD/JPY könnten bei weiter steigenden Ölpreisen profitieren, Short-Positionen in NZD/USD als Schutz bei anhaltendem Konflikt dienen. Die Analysten betonen, dass viele Absicherungen im Vergleich zu früheren Ölversorgungsstörungen noch moderat bepreist sind – ein Hinweis auf mögliche Unterschätzung der Tail Risks.
Rezessionsgefahr und globale Wirtschaftsfolgen
Besonders verwundbar sind stark importabhängige Volkswirtschaften. Indien bezieht 85 Prozent seines importierten Öls aus der Golfregion und gilt als hochgefährdet. Japan, China und Europa drohen erhebliche Beschäftigungsverluste. Die USA könnten einen harten, aber kurzen BIP-Rückgang erleiden.
Macquarie warnt, dass hohe Ölpreise in Kombination mit bestehenden finanziellen Fragilitäten wie Überhebelung eine ausgewachsene Rezession auslösen könnten. Zudem könnte kriegsbedingte Inflation die US-Notenbank Federal Reserve zu einer restriktiveren Geldpolitik zwingen – ein weiterer Belastungsfaktor für Wachstum und Märkte.
Besser positioniert sind Länder mit großen Exportkapazitäten wie Kanada, Brasilien und Norwegen. Diese profitieren direkt von höheren Rohstoffpreisen und könnten sich als relative Outperformer erweisen.
US-Small-Caps teilweise bereits eingepreist
Der Russell 2000, der Index für US-amerikanische Small-Cap-Aktien, verzeichnete zuletzt einen Rückgang von rund 4 Prozent. Laut BofA deutet dies auf eine teilweise Einpreisung des geopolitischen Risikos hin. Historisch fielen Small Caps bei großen Schocks im Schnitt um 8 Prozent, erholten sich aber typischerweise innerhalb von drei Monaten.
Bewertungstechnisch bleiben Small Caps im historischen Vergleich zu Large Caps günstig, mit einem relativen Forward-KGV von etwa 0,78x. BofA favorisiert dabei Value-Aktien gegenüber Wachstumstiteln. Besonders Small-Cap-Energieaktien könnten profitieren, da dieser Sektor historisch am stärksten mit Rohölpreisen korreliert und in stagflationären Phasen gut abschnitt.
Langfristige Dollar-Perspektive eingetrübt
Macquarie knüpft die langfristige USD-Entwicklung eng an den wahrgenommenen Ausgang des Konflikts. Kurzfristig stützt der sichere-Hafen-Status den Dollar. Mittel- bis langfristig sind die Strategen jedoch pessimistisch: Ein militärischer Erfolg könnte als Bruch der regelbasierten Weltordnung interpretiert werden, Zentralbanken zu einer Reduzierung ihrer USD-Reserven veranlassen und die Nutzung alternativer Reservewährungen wie dem chinesischen Yuan beschleunigen.
Politisch sorgte der Konflikt auch für Spannungen unter westlichen Verbündeten. US-Präsident Trump kritisierte den britischen Premier Keir Starmer, weil Großbritannien die Nutzung britischer Basen für US-Angriffe gegen den Iran zunächst blockiert hatte. Starmer erteilte später die Erlaubnis für defensive Schläge gegen iranische Raketenlager.
