USA leihen 86 Millionen Barrel Öl aus strategischer Reserve
Hohe Prämien von bis zu 22 Prozent könnten Energieunternehmen von der Beteiligung abschrecken.

Die USA setzen auf einen ungewöhnlichen Mechanismus zur Ölpreiskontrolle: Das Energieministerium hat Gebote für Tauschgeschäfte aus der Strategischen Erdölreserve (SPR) im Umfang von bis zu 86 Millionen Barrel entgegengenommen. Die Ergebnisse sollen in den kommenden Tagen veröffentlicht werden. Hintergrund ist ein koordinierter Plan der Internationalen Energieagentur (IEA), insgesamt 400 Millionen Barrel Rohöl aus nationalen Reserven freizugeben.
Der Schritt soll die Ölpreise dämpfen, die infolge des US-israelischen Krieges mit dem Iran stark gestiegen sind. Die weltweiten Ölpreise schlossen zuletzt bei über 103 US-Dollar je Barrel, da die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten weltweit – für den Transit von Öl, Gas und Düngemitteln weitgehend gesperrt blieb. Diese Meerenge ist für rund 20 Prozent des globalen Ölhandels von entscheidender Bedeutung.
Hohe Zinssätze als möglicher Hemmschuh
Die Struktur des Tauschgeschäfts ist ungewöhnlich: Unternehmen, die Öl aus der SPR entnehmen, müssen es mit einer Prämie von 18 bis 22 Prozent in Form zusätzlicher Barrel zurückgeben. Der Höchstsatz von 22 Prozent gilt für Bieter, die saures Rohöl mit hohem Schwefelgehalt entnehmen, das Darlehen aber mit süßem Rohöl zurückzahlen. Einige Händler zeigten sich gegenüber Reuters skeptisch, ob diese Konditionen ausreichend Interesse wecken.
Insgesamt plant Washington, über den gesamten Austausch 172 Millionen Barrel zu verleihen. Inklusive der Prämien würden Ölunternehmen etwa 200 Millionen Barrel zurückgeben. Das geliehene Öl soll von April bis Mai an die Unternehmen geliefert werden, die Rückgabe erfolgt in Tranchen zwischen November 2026 und September 2028.
Die drei Entnahmestandorte verteilen sich wie folgt:
- Bryan Mound, Texas: 42 Millionen Barrel saures Rohöl
- West Hackberry, Louisiana: 34 Millionen Barrel saures Rohöl
- Bayou Choctaw, Louisiana: 10 Millionen Barrel
SPR auf niedrigem Füllstand
Die strategische Reserve der USA umfasst derzeit nur noch rund 415 Millionen Barrel – weniger als 60 Prozent der Gesamtkapazität. Präsident Donald Trump hatte zu Beginn seiner zweiten Amtszeit versprochen, die Reserve aufzufüllen. Der US-Kongress hat bisher jedoch keine ausreichenden Mittel dafür bewilligt, was den Druck auf die Reservehaltung zusätzlich erhöht.
Es gibt keine Garantie, dass Gebote für das gesamte angebotene Volumen eingehen oder alle Angebote angenommen werden. Die hohen Zinssätze könnten laut Marktteilnehmern die Beteiligung der Energieunternehmen spürbar dämpfen.
