Ölpreise fallen 2% trotz anhaltender Iran-Kriegssorgen
Irakisch-kurdisches Exportabkommen über Ceyhan entlastet Märkte, doch Brent bleibt über 100 Dollar.

Die Ölpreise haben am Mittwoch im asiatischen Handel deutlich nachgegeben und dabei ihre jüngsten starken Gewinne teilweise abgegeben. Auslöser war eine Einigung zwischen der irakischen Bundesregierung und der Regionalregierung Kurdistans über die Wiederaufnahme von Ölexporten über den türkischen Hafen Ceyhan. Die Brent-Futures fielen um 2,3 Prozent auf 101,05 Dollar pro Barrel, während US-Rohöl der Sorte WTI sogar um 3,3 Prozent auf 93,03 Dollar nachgab.
Der stärkere Rückgang bei WTI erklärt sich auch durch überraschend hohe US-Lagerbestandsdaten. Das American Petroleum Institute (API) meldete für die vergangene Woche einen Anstieg der US-Ölvorräte um 6,6 Millionen Barrel – Analysten hatten hingegen einen Rückgang um 0,6 Millionen Barrel erwartet. Offizielle Lagerdaten der US-Energiebehörde EIA wurden für den späteren Mittwoch erwartet und dürften ähnliche Zahlen zeigen.
Zusätzlich belastete die Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve die Marktstimmung. Investoren fürchten restriktive Signale der Fed, da die durch den Iran-Konflikt getriebenen hohen Ölpreise die Inflation hartnäckig anheizen könnten.
Ceyhan-Abkommen nur begrenzte Entlastung
Die Einigung zwischen Bagdad und Erbil sieht vor, täglich mindestens 100.000 Barrel Öl über den Hafen Ceyhan in die Türkei zu pumpen. Das ist jedoch nur ein Bruchteil des Versorgungsausfalls, der durch die faktische Sperrung der Straße von Hormus entstanden ist. Der Iran hatte den strategischen Seeweg – über den mindestens ein Fünftel des weltweiten Öls transportiert wird – als Vergeltung für Angriffe der USA und Israels blockiert. Der Irak musste aufgrund des Konflikts Berichten zufolge rund 70 Prozent seiner Ölproduktion drosseln.
Eine mögliche Entspannung zeichnet sich durch die Vereinigten Arabischen Emirate ab. Die VAE erwägen, sich einer von den USA geführten Initiative zum Schutz der Schifffahrt in der Straße von Hormus anzuschließen. Die meisten anderen US-Verbündeten hatten Trumps Forderungen nach Unterstützung bislang abgelehnt.
Iran-Konflikt eskaliert weiter
Gleichzeitig verdichten sich die Zeichen einer weiteren Eskalation. Berichten zufolge wurde Ali Laridschani, der iranische Sicherheitschef, bei einem israelischen Angriff getötet – ein Schritt, der massive Vergeltungsmaßnahmen Teherans nach sich ziehen könnte. Der Iran verstärkte in dieser Woche zudem seine Angriffe auf Schiffe im und um den Hormus-Seeweg, nachdem die USA und Israel ein wichtiges iranisches Exportterminal angegriffen hatten.
Seit Beginn des Krieges Ende Februar hat Brent-Rohöl bereits über 40 Prozent zugelegt. Die Analysten der Singapurer Bank OCBC gehen davon aus, dass der Ölpreis mindestens bis Mitte 2026 über der Marke von 100 Dollar pro Barrel verbleiben wird. Angesichts fehlender Deeskalationsperspektiven dürfte der Iran-Konflikt den Rohölpreis weiterhin stützen.
