Ölpreise fallen nach unerwartet hohem Anstieg der US-Lagerbestände
Brent und WTI geraten unter Druck, nachdem API-Daten einen massiven Lageraufbau von 6,56 Millionen Barrel meldeten.

Die Ölpreise haben am Mittwochmorgen nachgegeben, nachdem Branchendaten des American Petroleum Institute (API) einen deutlich stärkeren Anstieg der US-Rohöllagerbestände zeigten als erwartet. Brent-Futures verloren 1,15 US-Dollar oder 1,11 Prozent auf 102,27 Dollar je Barrel. Der US-amerikanische Referenzpreis West Texas Intermediate (WTI) fiel um 1,54 Dollar oder 1,6 Prozent auf 94,67 Dollar.
Der Lageraufbau in den USA fiel in der Woche bis zum 13. März mit 6,56 Millionen Barrel massiv aus. Analysten hatten in einer Reuters-Umfrage lediglich einen Zuwachs von rund 380.000 Barrel erwartet. Die tatsächlichen Zahlen übertrafen die Prognosen damit um das fast Siebzehnfache – ein deutliches Signal für eine vorübergehende Angebotsschwemme auf dem weltgrößten Ölmarkt.
Irak und Kurdistan nehmen Ölexporte wieder auf
Auf der Angebotsseite gibt es weitere Entwicklungen: Der irakische Ölminister gab am Dienstag bekannt, dass Bagdad und die kurdische Regionalregierung eine Einigung über die Wiederaufnahme der Ölexporte über den türkischen Hafen Ceyhan erzielt haben. Der Ölfluss sollte demnach am Mittwoch um 10:00 Uhr Ortszeit (07:00 Uhr GMT) beginnen. Die Wiederaufnahme dieser Exportroute erhöht das verfügbare Angebot auf den globalen Märkten.
Aus Libyen meldete die National Oil Corporation, dass nach einem Brand im Sharara-Ölfeld die Produktion schrittweise über alternative Pipelines umgeleitet wurde. Das Unternehmen betonte, die Produktion sei weiterhin gesichert und es habe keine Todesopfer gegeben. Das Sharara-Feld zählt zu Libyens größten Ölquellen.
Geopolitische Spannungen rund um die Straße von Hormus
Gleichzeitig sorgt die geopolitische Lage im Nahen Osten für Aufmerksamkeit. Teheran bestätigte, dass Irans Sicherheitschef Ali Laridschani durch Israel getötet wurde – er gilt als ranghöchste Persönlichkeit, die seit Beginn des Konflikts gezielt eliminiert wurde. Zudem lehnte Irans neuer oberster Führer laut einem hochrangigen Beamten Deeskalationsangebote ab, die über Vermittlerstaaten übermittelt worden waren.
Das US-Militär teilte darüber hinaus mit, Ziele entlang der iranischen Küste nahe der strategisch wichtigen Straße von Hormus angegriffen zu haben. Als Begründung nannte das Militär iranische Anti-Schiffs-Raketen, die eine Bedrohung für die internationale Schifffahrt darstellten. Durch die Straße von Hormus fließt rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels.
Mingyu Gao, Chefanalyst für Energie und Chemikalien bei China Futures, sieht in den jüngsten Entwicklungen – dem Tod Laridschanis und den US-Angriffen auf iranische Küstenstellungen – ein Signal, dass der Konflikt möglicherweise früher enden könnte als befürchtet. Diese Hoffnung auf eine Deeskalation dämpft derzeit den Risikoaufschlag im Ölpreis zusätzlich zu den schwachen Lagerdaten.
