Tschechien investiert 47 Millionen Dollar für Öl-Reverse-Flow zur Slowakei
Prag bietet Bratislava technische Lösung an, um russische Druschba-Unterbrechung zu überbrücken.

Tschechien ist bereit, bis zu einer Milliarde tschechische Kronen (rund 47 Millionen Dollar) in die Umkehrung des Ölflusses in seinem Abschnitt der Druschba-Pipeline zu investieren. Das erklärte der tschechische Wirtschaftsminister Havlicek nach einem Treffen mit der slowakischen Wirtschaftsministerin Denisa Sakova in Prag. Damit soll die Slowakei mit Rohöl versorgt werden, das künftig von Tschechien in Richtung Süden fließen würde.
Die Slowakei ist seit Ende Januar von russischen Öllieferungen abgeschnitten. Die Ukraine hatte die Reparatur der Druschba-Pipeline angekündigt, die nach Angaben Kiews durch einen russischen Angriff beschädigt wurde. Bratislava und Budapest werfen der Ukraine vor, die Reparaturen absichtlich zu verzögern – Kiew bestreitet dies und verweist auf den Zeitbedarf der Arbeiten.
Tschechien selbst hatte den russischen Öltransport über die Druschba bereits im vergangenen Jahr beendet. Möglich wurde das durch den Ausbau der TAL-Pipeline, die von Italien nach Deutschland führt und über eine Verbindungsleitung ans tschechische Netz angeschlossen ist.
Kapazität soll in zwei bis drei Jahren stark wachsen
Im Notfallbetrieb könnten zunächst zehntausende Tonnen Öl pro Monat in die Slowakei fließen. Mittelfristig soll die jährliche Kapazität auf zwei bis drei Millionen Tonnen steigen – dieser Ausbau ist laut den Ministern innerhalb von zwei bis drei Jahren realisierbar. Die genaue Umsetzung hängt von weiteren technischen und politischen Abstimmungen zwischen beiden Ländern ab.
Der Reverse-Flow-Mechanismus würde bedeuten, dass Öl aus westeuropäischen Quellen über das tschechische Leitungsnetz in die Slowakei gepumpt wird – also in entgegengesetzter Richtung zum ursprünglichen Druschba-Fluss von Ost nach West. Für die Slowakei wäre das eine wichtige Diversifizierung der Versorgung, die bislang stark von russischen Lieferungen abhängig ist.
