Trumps Fabrik-Boom: South Bend zeigt das gespaltene Bild
In der Industriestadt South Bend, Indiana, profitieren Solar-Zulieferer, während andere Branchen massiv einbrechen.

Trumps Versprechen eines neuen amerikanischen Fabrikbooms klingt in South Bend, Indiana, nur halb wahr. Das Metallverarbeitungsunternehmen von Axelberg steht exemplarisch für die widersprüchliche Lage vieler Industriebetriebe: Der Solarsektor rettete das vergangene Geschäftsjahr, alle anderen Bereiche brachen ein.
Der Solarbereich war allein für das gesamte Umsatzwachstum von knapp 30 Prozent verantwortlich. Möglich machte das nicht Trumps Politik, sondern der Inflation Reduction Act – ein Klimaschutzgesetz, das Präsident Joe Biden verabschiedet hatte und das steuerliche Anreize für erneuerbare Energien enthält. Ohne diese Förderung hätte Axelbergs Betrieb ein deutlich schwächeres Jahr hinter sich.
Traditionelle Industrien unter Druck
Gleichzeitig verzeichneten alle anderen von Axelberg bedienten Branchen zusammen einen Rückgang von 20 Prozent. Betroffen sind klassische Industrien wie Landmaschinen und schwere Lastwagen – Sektoren, die das Rückgrat vieler Mittelstädte im Mittleren Westen bilden. Für deutsche Leser vergleichbar: Es ist, als würden Zulieferer für Traktoren und Nutzfahrzeuge gleichzeitig schrumpfen, während Solarkomponenten boomen.
Besonders beunruhigend für Unternehmer wie Axelberg ist die Unsicherheit beim Solargeschäft. Trumps Regierung hat signalisiert, Teile des Inflation Reduction Act zurückzudrehen oder zu kürzen – genau jenes Gesetzes, das seinen Betrieb im vergangenen Jahr gerettet hat. Die Förderungen, auf die er aktuell setzt, könnten also wegfallen.
Gespaltene Realität in Industriegemeinden
Die Situation in South Bend verdeutlicht, wie unterschiedlich Regierungspolitik auf einzelne Wirtschaftszweige wirkt. Trump betont öffentlich einen breiten Fabrikaufschwung in den USA. Die Realität in Industriestädten wie South Bend ist jedoch differenzierter: Einige Sektoren profitieren, andere leiden unter den veränderten Rahmenbedingungen.
Für Anleger und Beobachter zeigt dieser Fall, dass pauschale Aussagen über einen Industrieboom mit Vorsicht zu genießen sind. Entscheidend ist, welche Branchen konkret gefördert werden – und welche Förderungen politisch stabil genug sind, um langfristige Investitionen zu rechtfertigen.
