Iran-Krieg treibt Strompreise für Neukunden um 16 Prozent
Steigende Gaspreise infolge des Iran-Konflikts schlagen nun deutlich auf die Stromtarife durch.

Der Iran-Krieg hinterlässt spürbare Spuren auf den deutschen Energiemärkten. Laut einer aktuellen Auswertung des Vergleichsportals Verivox sind die günstigsten Stromtarife für Neukunden seit Ausbruch des Konflikts im bundesweiten Durchschnitt um rund 16 Prozent gestiegen. Damit beschleunigt sich ein Trend, der Verbraucher und Anleger gleichermaßen besorgt.
In konkreten Zahlen bedeutet das: Wer als Neukunde einen Haushaltstarif mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden abschließt, zahlt derzeit rund 28 Cent pro Kilowattstunde. Im Februar lag dieser Wert noch bei 24,2 Cent. Das aktuelle Preisniveau entspricht damit dem Stand vom Oktober vergangenen Jahres – ein Rückschlag für Verbraucher, die auf sinkende Energiekosten gehofft hatten.
Gaspreise als Treiber der Stromkosten
Der Mechanismus hinter dem Preisanstieg ist das sogenannte Merit-Order-Prinzip. In Europa setzt stets das teuerste zur Stromerzeugung benötigte Kraftwerk – häufig ein Gaskraftwerk – den Marktpreis für alle anderen Anbieter. Steigen die Gaspreise, verteuert sich damit automatisch auch der Strom für alle Verbraucher, unabhängig davon, ob der Strom tatsächlich aus Gas erzeugt wurde.
Dieses Prinzip wirkt in beide Richtungen: Bei hoher Wind- und Solarproduktion sinken die Preise deutlich, weil günstigere Kraftwerke den Bedarf decken. Müssen hingegen viele Gaskraftwerke einspringen, um die Nachfrage zu befriedigen, schnellen die Großhandelspreise nach oben – und dieser Effekt landet letztlich auf der Stromrechnung der Verbraucher.
Bestandskunden vorerst noch verschont
Für Bestandskunden sieht Verivox derzeit noch keine unmittelbaren Preiserhöhungen. Ihre bestehenden Verträge schützen sie kurzfristig vor den Marktbewegungen. Doch das Portal warnt: Sollten die internationalen Energiepreise auf dem aktuell erhöhten Niveau verharren, dürften auch Bestandskunden mittelfristig höhere Abschläge erwarten.
Für Anleger sind die Entwicklungen an den Energiemärkten ein wichtiges Signal. Energieversorger und Gasimporteure stehen unter Druck, während Unternehmen mit hohem Energieverbrauch ihre Margen verteidigen müssen. Die geopolitische Lage im Nahen Osten bleibt damit ein zentraler Risikofaktor für Portfolios mit Energie- und Industriewerten.
