Ölpreisschock: USA laufen bei Iran-Krise die Mittel aus
Die Schließung der Straße von Hormus hält 15 Prozent des weltweiten Ölangebots gefangen – Washington kämpft mit schwindenden Optionen.

Der anhaltende US-israelische Konflikt mit dem Iran versetzt die globalen Ölmärkte in Aufruhr. Seit der Schließung der Straße von Hormus – dem strategisch wichtigsten maritimen Nadelöhr der Welt – sind nach Reuters-Berechnungen mindestens 15 Millionen Barrel täglich von den Weltmärkten abgeschnitten. Brent-Rohöl hat die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel überschritten, während Diesel und Kerosin noch stärker gestiegen sind.
Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate versuchen, Exporte über alternative Routen umzuleiten. Riad pumpt bis zu 5 Millionen Barrel täglich zum Rotmeer-Hafen Yanbu, Abu Dhabi leitet zusätzliche Mengen über das Ölterminal Fudschaira. Dennoch bleiben rund 15 Millionen Barrel nahöstlicher Lieferungen pro Tag blockiert – eine Unterbrechung ohne historisches Vorbild seit dem Zweiten Weltkrieg.
Irans neues geistiges Oberhaupt Mojtaba Chamenei bekräftigte, die Straße bleibe geschlossen, um Druck auf die USA und Israel auszuüben. Er deutete jedoch an, einzelne Länder könnten Schiffsbewegungen mit der iranischen Marine koordinieren. Die US-Marine hat eingeräumt, die Wasserstraße derzeit nicht gewaltsam öffnen zu können – eine gemeinsame Operation mit Verbündeten sei noch Wochen entfernt.
Washington setzt alle verfügbaren Hebel in Bewegung
Die Trump-Administration hat in den vergangenen zwei Wochen nahezu alle verfügbaren Instrumente aktiviert. Am Donnerstag erließ Washington eine Ausnahmeregelung, die Ländern den Kauf von sanktioniertem russischem Rohöl auf See erlaubt. Auf Tankern befinden sich derzeit rund 245 Millionen Barrel russisches Öl und Raffinerieproduke – ein Volumen, das laut dem Analyseunternehmen Kpler in etwa den ausgefallenen Nahost-Lieferungen entspricht.
Allerdings täuscht diese Zahl über die tatsächliche Entlastung hinweg. China, Indien und die Türkei haben trotz westlicher Sanktionen bereits den Großteil des russischen Öls aufgekauft. Die Ausnahmeregelung dürfte daher deutlich weniger zusätzliche Barrel auf den Markt bringen, als das Gesamtvolumen suggeriert.
Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ebenfalls reagiert und eine Freigabe von 400 Millionen Barrel aus den Notfallreserven ihrer 32 Mitgliedsstaaten angekündigt – die größte Entnahme in der Geschichte der Agentur. Das entspricht rund einem Drittel der gesamten strategischen Reserven. Die USA steuern mit 172 Millionen Barrel den größten Anteil aus ihrer 415 Millionen Barrel umfassenden Strategischen Erdölreserve (SPR) bei.
Spielraum für weitere Maßnahmen schwindet rapide
Nach Einschätzung von JPMorgan verbleiben Washington nach der IEA-Entnahme nur noch rund 100 Millionen Barrel, die technisch und operativ schnell mobilisiert werden könnten. Der Puffer wird damit gefährlich dünn. Auch die freien Produktionskapazitäten der OPEC+ helfen in dieser Krise kaum – von den 3,9 Millionen Barrel täglich, die laut IEA vor Kriegsbeginn verfügbar waren, liegen 1,7 Millionen allein in Saudi-Arabien und damit hinter der gesperrten Wasserstraße.
Als weitere Maßnahme erwägt die Trump-Administration eine vorübergehende Aussetzung des sogenannten Jones Act, der seit über hundert Jahren den Gütertransport zwischen US-Häfen auf Schiffe unter US-Flagge beschränkt. Eine Aussetzung würde es ausländischen Tankern ermöglichen, Treibstoff etwa vom Raffineriezentrum am Golf von Mexiko an die Ost- und Westküste zu transportieren und so regionale Versorgungsengpässe zu lindern. Auf die globalen Rohölpreise dürfte dies jedoch kaum Auswirkungen haben.
