Ölpreise steigen 40 Prozent: Nahostkonflikt erschüttert Energiemärkte
Der eskalierende Konflikt zwischen USA, Israel und Iran treibt die globalen Energiemärkte in die schwerste Krise seit 2022.

Der Ölpreis hat im laufenden Monat um mehr als 40 Prozent zugelegt – das stärkste Monatsplus seit 2022. Auslöser ist die militärische Eskalation zwischen den USA, Israel und Iran, die nun in ihre dritte Woche geht. Besonders beunruhigend: Erstmals geraten direkt Öl-Infrastruktur und Schifffahrtsrouten ins Visier.
Den vorläufigen Höhepunkt der Eskalation markierten US-Angriffe auf Irans wichtigstes Ölexportdrehkreuz, die Kharg Island-Anlage. Iran antwortete mit Drohnenangriffen auf Infrastruktur in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Analysten von JP Morgan um Natasha Kaneva warnen, der Konflikt habe damit eine neue, gefährlichere Phase erreicht – denn bislang war die Energieinfrastruktur der Region weitgehend verschont geblieben.
JP Morgan identifiziert mehrere besonders verwundbare Energieknotenpunkte am Golf: das Fujairah-Terminal der VAE, das saudi-arabische Ras-Tanura-Exportterminal sowie die Abqaiq-Ölverarbeitungsanlage. Das Fujairah-Terminal hat nach dem Drohnenangriff den Betrieb laut Branchenquellen inzwischen wieder aufgenommen. Es verarbeitet täglich rund eine Million Barrel Murban-Rohöl – etwa ein Prozent der weltweiten Nachfrage.
Hormuzstraße gesperrt: 20 Prozent des Weltölhandels betroffen
Das gravierendste Problem für die globale Versorgung ist die Sperrung der Straße von Hormuz durch Iran. Durch diesen strategischen Engpass fließen normalerweise rund 20 Prozent des weltweiten Ölangebots. US-Präsident Donald Trump hat eine internationale Koalition aus China, Frankreich, Japan, Südkorea und Großbritannien aufgefordert, Kriegsschiffe zur Sicherung der Meerenge zu entsenden. Gleichzeitig droht Trump mit weiteren Angriffen auf iranische Ölhubs, während Teheran Waffenstillstandsgespräche kategorisch ablehnt.
Die Internationale Energieagentur (IEA) zeichnet ein düsteres Bild der Versorgungslage: Im März droht ein Rückgang des globalen Ölangebots um acht Millionen Barrel pro Tag. Mittelfristig haben nahöstliche Produzenten ihre Förderung um mindestens zehn Millionen Barrel täglich gedrosselt – eine Kombination aus Lieferkettenstörungen und bewussten Produktionskürzungen.
Um die Preisexplosion abzufedern, hat die IEA die Freigabe von Rekordmengen aus den strategischen Reserven ihrer Mitgliedsstaaten genehmigt: insgesamt 400 Millionen Barrel. Japan startet die Freigabe seiner Reserven zu Wochenbeginn. Ob diese Maßnahme angesichts des enormen Angebotsausfalls ausreicht, bleibt unter Marktbeobachtern höchst umstritten.
Diplomatische Sackgasse verschärft Marktrisiken
Die diplomatischen Aussichten sind trüb. Berichten zufolge hat die Trump-Regierung Vermittlungsversuche nahöstlicher Verbündeter zurückgewiesen. Irans Bedingung für Verhandlungen – ein vollständiger Stopp aller US- und israelischen Militäroperationen – macht eine kurzfristige Lösung nahezu unmöglich.
An den Finanzmärkten spiegelt sich die Unsicherheit in stark schwankenden Brent- und WTI-Futures wider. Für Anleger und Energieverbraucher in Deutschland bedeutet dies: Solange die Lage am Hormuz ungeklärt bleibt und die Schlüsselanlagen in Saudi-Arabien und den VAE bedroht sind, dürfte der Risikoaufschlag auf Rohölpreise hoch bleiben. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die IEA-Reservefreigaben den Markt stabilisieren können.
