Ölpreise bleiben hoch: Hormuz-Straße bedroht globale Versorgung
Analysten warnen vor anhaltend hohen Ölpreisen durch eskalierenden Konflikt im Nahen Osten.

Die Straße von Hormuz steht im Fokus der globalen Energiemärkte. Über 20 Prozent des weltweiten Ölvolumens passieren diese strategisch entscheidende Meerenge – und die aktuellen Spannungen im Nahen Osten bedrohen diesen Korridor erheblich. Analysten mehrerer führender Finanzinstitute erwarten, dass die Ölpreise in den kommenden Tagen auf erhöhtem Niveau verharren werden.
Laut JPMorgan sind die Rohölexporte durch die Straße von Hormuz bereits drastisch eingebrochen: von den üblichen 16 Millionen Barrel pro Tag auf nur noch rund 4 Millionen Barrel täglich. Der Tankerverkehr ist nahezu zum Erliegen gekommen, die verbleibenden Ströme beschränken sich auf iranische Mengen. JPMorgan schätzt zudem, dass die Golfstaaten lediglich über Kapazitäten verfügen, um 25 Tage an gestrandeten Vorräten zu überbrücken.
Prognosen der Banken im Überblick
Die Einschätzungen der Finanzinstitute fallen unterschiedlich aus, zeigen aber alle in dieselbe Richtung – nach oben:
Citi
erwartet Brent-Rohöl zwischen 80 und 90 US-Dollar pro Barrel, bei Entspannung Rückgang auf 70 Dollar -
Goldman Sachs
beziffert den aktuellen Risikoaufschlag auf 18 US-Dollar pro Barrel -
Wood Mackenzie
warnt vor Preisen über 100 US-Dollar, falls die Meerenge nicht rasch geöffnet wird -
Bernstein
hebt seine Brent-Prognose für 2026 auf 80 US-Dollar an – im Extremszenario drohen 120 bis 150 US-Dollar -
Macquarie Group
sieht die Schmerzgrenze nach drei bis vier Wochen Schließung erreicht -
Societe Generale
rechnet wahrscheinlich mit kurzem Preisanstieg, gefolgt von einer Korrektur
Besonders alarmierend ist die Analyse von Wood Mackenzie: Eine Schließung der Hormuz-Straße trifft nicht nur laufende Exporte, sondern blockiert auch die Reservekapazitäten der OPEC+. Diese gelten normalerweise als wichtigstes Instrument zur Stabilisierung des globalen Ölmarkts – und wären im Krisenfall unzugänglich.
Gaspreise unter Druck – EU beruft Krisenrunde ein
Die Folgen beschränken sich nicht auf Rohöl. Goldman Sachs prognostiziert, dass bei einer einmonatigen Unterbrechung der Durchflüsse die europäischen Gasbenchmark-Preise TTF um 130 Prozent steigen und 74 Euro pro Megawattstunde erreichen könnten. Für deutsche Verbraucher und Industrieunternehmen wäre das eine erhebliche Belastung.
Die Europäische Kommission reagiert: Eine Sprecherin bestätigte, dass die Gas-Koordinierungsgruppe der EU am Mittwoch zusammentreten werde, um die Auswirkungen des eskalierenden Konflikts zu bewerten. Für Europa, das seine Energieversorgung nach dem russischen Angriff auf die Ukraine bereits umstrukturieren musste, käme eine weitere Versorgungskrise zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt.
JPMorgan warnt explizit: Sollte die Straße von Hormuz drei bis vier Wochen blockiert bleiben, könnten die Förderländer des Golf-Kooperationsrates zu Produktionsstilllegungen gezwungen werden – mit Brent-Preisen deutlich über 100 US-Dollar als Folge. Die OPEC+ hatte erst kürzlich beschlossen, die Fördermenge für April um 206.000 Barrel pro Tag zu erhöhen – ein Beschluss, der unter diesen Umständen kaum umsetzbar erscheint.
