Iran-Konflikt lähmt Schiffsverkehr und treibt Energiepreise in die Höhe
Militärische Eskalation im Nahen Osten blockiert Straße von Hormus und erschüttert globale Energie- und Finanzmärkte.

Die jüngste militärische Eskalation im Nahen Osten hat den globalen Schiffsverkehr in eine schwere Krise gestürzt. Iranische Vergeltungsschläge nach Angriffen der USA und Israels haben die strategisch bedeutsame Straße von Hormus nahezu vollständig blockiert. Durch diese Meerenge fließt etwa ein Fünftel des weltweit verbrauchten Öls sowie erhebliche Mengen an Flüssigerdgas (LNG).
Mindestens 150 Schiffe – darunter Öl- und LNG-Tanker – liegen vor den Küsten des Irak, Saudi-Arabiens und Katars vor Anker. Zwei Seeleute wurden bereits getötet, mindestens vier Tanker beschädigt. Betroffen sind unter anderem der US-geflaggte Produkttanker Stena Imperative, der Marshallinseln-geflaggte Tanker MKD VYOM sowie der Hercules Star unter Gibraltar-Flagge.
Versicherer ziehen sich zurück
Als direkte Konsequenz haben führende Marineversicherer die Kriegsrisiko-Deckung für Schiffe in der Region annulliert. Unternehmen wie Gard, Skuld, NorthStandard, der London P&I Club und der American Club setzen ihre Deckung ab dem 5. März aus. Auch die japanische MS&AD Insurance Group zeichnet keine neuen Kriegsrisiko-Policen mehr für die Region.
Die Folgen für die Energiemärkte sind dramatisch. Brent-Rohöl-Futures stiegen um mehr als 8 %. Europäische Erdgaspreise explodierten: Die niederländischen TTF-Futures kletterten um 19 % auf 38 Euro pro Megawattstunde – weit über der EZB-Prognose von 29,6 Euro/MWh aus dem Dezember. Britische Gas-Futures legten sogar rund 50 % zu.
Besonders schwer trifft es den LNG-Markt. QatarEnergy meldete die Einstellung der LNG-Produktion in den Anlagen Ras Laffan und Mesaieed, nachdem iranische Drohnen die Einrichtungen beschädigt hatten. Da rund 20 % der weltweiten LNG-Exporte über die Straße von Hormus abgewickelt werden, sind die Auswirkungen auf die globale Gasversorgung erheblich. Die Kosten für den Ölexport vom Nahen Osten nach Asien lagen bereits auf Sechsjahreshochs; der Benchmark-Satz TD3C hat sich seit Anfang 2026 nahezu verdreifacht.
Gefahr für Europa: Inflation und schwaches Wachstum
Für Europa droht ein gefährlicher Mix aus steigender Inflation und gedämpftem Wirtschaftswachstum. Besonders stark abhängig von LNG-Importen über Hormus sind Großbritannien, Italien, Belgien und Polen. Die EZB dürfte ihre Inflationsprognosen bei der nächsten Veröffentlichung am 19. März nach oben korrigieren müssen.
Ökonomen der Commerzbank schätzen: Hält der Konflikt mehrere Monate an, könnte die Inflation in der Eurozone um mindestens 1 Prozentpunkt steigen, das Wachstum um einige Zehntelpunkte sinken. Die Europäische Kommission berechnete zudem, dass ein dauerhafter Preisanstieg von 14 % das Wachstum um 0,1 % senken und die Inflation um 0,5 % anheben würde. In Großbritannien sank die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung der Bank of England im März bereits von 78 % auf rund 69 %.
An den Aktienmärkten kam es weltweit zu Verkaufswellen. Der britische FTSE 100 verlor 1 %, der FTSE 250 gab 1,3 % nach. Bankwerte wie HSBC, Barclays und Lloyds standen unter Druck. Fluggesellschaften wie IAG, die Flüge nach Tel Aviv und Bahrain gestrichen hatte, verzeichneten ebenfalls deutliche Verluste. An der Wall Street sanken die Futures, während Gold als sicherer Hafen zulegte.
Analysten warnen vor stagflationärem Schock
Analysten von BofA Securities sehen ein höheres Risiko für globale Marktunterbrechungen als im Vorjahr und warnen ausdrücklich vor einem stagflationären Schock bei schnell eskalierenden Ölpreisen. UBS-Analyst Bhanu Baweja betonte, die zentrale Frage sei die Dauer der Blockade. Er warnte, dass der hoch bewertete S&P 500 – aktuell bei einem Forward-KGV von 22,2 – anfälliger für geopolitische Schocks sei als bei früheren Ölkrisen.
Barclays-Analysten sehen zwar ein geringeres Risiko eines langwierigen Krieges, da dies nicht im Interesse von US-Präsident Donald Trump liege, betonen jedoch die gestiegenen Risikoprämien. Trump selbst deutete an, dass die Militäroperation vier bis fünf Wochen dauern könnte. Die EU kündigte unterdessen ein Sondertreffen zur Sicherung der Gasversorgung an.
KeyBanc Capital Markets bekräftigte trotz der Krise seine optimistische Haltung gegenüber US-Ölproduzenten. Unternehmen wie Diamondback, Matador, SM Energy und Magnolia – als besonders direkter Profiteur steigender Spotpreise – wurden als unterbewertet oder gut positioniert eingestuft, um von der Preisrally zu profitieren.
