Ölpreise steigen leicht nach wochenlanger Stagnation
Sanktionen und chinesische Konjunkturmaßnahmen beeinflussen Markt und Nachfrageentwicklung

Die Ölpreise stiegen leicht an und befinden sich auf Kurs für den ersten wöchentlichen Zuwachs seit Ende November. Dieser Anstieg wird durch verschärfte Sanktionen gegen Iran und Russland sowie Hoffnungen auf eine erhöhte Nachfrage durch chinesische Konjunkturmaßnahmen unterstützt. Brent-Rohöl notierte bei 73,46 Dollar pro Barrel, ein Plus von 5 Cent, während der Preis für U.S. West Texas Intermediate um 8 Cent auf 70,10 Dollar stieg.
Beide Sorten verzeichnen im Wochenverlauf ein Plus von über drei Prozent. Die jüngste Stabilisierung der Preise wird auf die Verteidigung eines technischen Schlüsselniveaus von 71 Dollar zurückgeführt, wie Marktstratege Yeap Jun Rong von IG erklärt. Dennoch fehlt es bislang an einer stärkeren Preisrallye.
Chinesische Daten zeigen, dass die Rohölimporte im November erstmals seit sieben Monaten wieder auf Jahresbasis gestiegen sind. Niedrige Preise und Vorratsaufstockungen gelten als treibende Kräfte. Analyst Warren Patterson von ING äußerte jedoch Zweifel, ob diese Importe durch die jüngste Erholung der Raffineriemargen gerechtfertigt seien. Unabhängige Raffinerien in China nutzen ihre Importquoten, während größere Raffinerien verstärkt auf günstige Lieferungen aus Saudi-Arabien setzen.
Die Internationale Energieagentur (IEA) hob ihre Prognose für das globale Ölnachfragewachstum im Jahr 2025 auf 1,1 Millionen Barrel pro Tag an. Diese Anpassung wird den jüngsten Konjunkturmaßnahmen Chinas zugeschrieben. Gleichzeitig prognostiziert die IEA jedoch für 2025 einen Überschuss, da Nicht-OPEC+-Länder wie Argentinien, Brasilien, Kanada, Guyana und die USA ihre Fördermengen um insgesamt 1,5 Millionen Barrel pro Tag erhöhen könnten.
Drei der größten kanadischen Ölproduzenten erwarten ebenfalls höhere Produktionsmengen für 2025. In den Vereinigten Staaten prognostiziert Goldman Sachs, dass die Produktion von Schieferöl in der Lower 48 um 600.000 Barrel pro Tag wachsen könnte. Dieses Wachstum könnte jedoch ins Stocken geraten, falls der Brent-Preis unter 70 Dollar pro Barrel fällt.
Zusätzlich hoffen Investoren auf eine Zinssenkung durch die US-Notenbank in der kommenden Woche. Diese Erwartung stützt sich auf neue Wirtschaftsdaten, die einen unerwarteten Anstieg der Anträge auf Arbeitslosenunterstützung zeigten. Angesichts eines voraussichtlich ausgewogenen Ölmarkts gibt es derzeit wenig Anreiz, dass die Preise aus ihrer aktuellen Spanne ausbrechen.
