Norwegen stoppt Pläne für Tiefseebergbau
Umweltpolitischer Kompromiss verzögert Lizenzvergabe für arktische Meeresboden-Exploration

Norwegen hat Pläne zur Tiefseebergbau-Exploration im arktischen Ozean vorerst gestoppt. Hintergrund ist eine Vereinbarung zwischen der Minderheitsregierung und der linken Umweltpartei Sosialistisk Venstreparti (SV), die ihre Unterstützung für den Haushalt daran knüpfte, dass die geplante erste Lizenzierungsrunde nicht durchgeführt wird. Ursprünglich sollte die Regierung im Jahr 2025 erste Explorationslizenzen für den Meeresboden vergeben. Premierminister Jonas Gahr Støre erklärte, dass es sich um eine Verschiebung handle, während Vorbereitungsarbeiten wie die Ausarbeitung von Vorschriften und Umweltstudien fortgeführt werden.
Die Entscheidung stellt eine bedeutende Wende in Norwegens Ambitionen dar, eine führende Rolle im globalen Rennen um Rohstoffe aus der Tiefsee einzunehmen. Die geplanten Gebiete im arktischen Ozean gelten als reich an Metallen wie Kupfer und seltenen Erden, die weltweit gefragt sind, um den Übergang zu erneuerbaren Energien zu unterstützen. Dennoch stieß das Vorhaben auf heftigen Widerstand von Umweltschutzorganisationen und einer internationalen Koalition aus 32 Ländern, darunter Deutschland, Frankreich und Kanada. Frode Pleym, Leiter von Greenpeace Norwegen, bezeichnete den Schritt als „entscheidenden Sieg gegen den Tiefseebergbau“.
Die bevorstehende Parlamentswahl im September könnte die aktuelle Entscheidung beeinflussen. Meinungsumfragen zufolge führen die konservative Partei Høyre und die Fortschrittspartei, die beide den Tiefseebergbau befürworten. Sollten diese Parteien eine neue Regierung bilden, könnten die Pläne zur Lizenzvergabe erneut aufgegriffen werden. Greenpeace kündigte an, auch in einem solchen Fall weiter gegen den Tiefseebergbau vorzugehen.
Die norwegische Regierung hatte 2023 erste Schätzungen zu den Ressourcen im Meeresboden veröffentlicht, die „substanzielle“ Mengen an Mineralien und Metallen auswiesen. Mehrere norwegische Unternehmen, darunter Loke, Green Minerals und Adepth, hatten bereits ihr Interesse bekundet, sich an der ersten Lizenzierungsrunde zu beteiligen. Eine Stellungnahme dieser Unternehmen liegt bislang nicht vor.
Die Vereinbarung zwischen der Minderheitsregierung, bestehend aus der Arbeiterpartei und der Zentrumspartei, und der SV-Partei markiert einen vorläufigen Stopp für die Industrialisierung des Meeresbodens in Norwegen. Gleichzeitig bleibt unklar, ob und wann die Tiefseebergbaupläne wieder auf die politische Agenda gesetzt werden könnten.
