Nahost-Konflikt erschüttert Märkte: Ölpreise und Erdgas steigen stark
Der eskalierende Nahost-Konflikt löst breite Marktverwerfungen aus – Energiepreise klettern, Aktien geraten unter Druck.

Die relative Ruhe, mit der die Finanzmärkte den Nahost-Konflikt zunächst aufgenommen hatten, ist vorbei. Am Dienstag zogen sich Anleger weltweit zurück und versuchten einzuschätzen, ob die Kämpfe begrenzt bleiben oder zu einem länger anhaltenden wirtschaftlichen Schock eskalieren würden. Der S&P 500 verlor 0,9 Prozent – nach einem knappen Plus am Montag, als ein früher Ausverkauf noch abgefangen werden konnte.
Besonders unter Druck gerieten Fluggesellschaften und Kreuzfahrtunternehmen, die steigende Treibstoffkosten fürchten. Energieaktien hingegen hielten ihre Wochengewinne und profitierten vom Ölpreisanstieg. Die Schere zwischen Gewinnern und Verlierern an den Börsen öffnet sich damit deutlich.
Ölpreise noch weit unter historischen Höchstständen
Trotz des jüngsten Anstiegs bleiben die Rohölpreise im historischen Vergleich moderat. US-Futures notierten am Dienstag bei 74,56 Dollar pro Barrel – deutlich unter dem inflationsbereinigten Zwanzigjahres-Durchschnitt von rund 96 Dollar. Zum Vergleich: Nach der russischen Invasion in der Ukraine 2022 näherten sich die inflationsbereinigten Preise der Marke von 140 Dollar pro Barrel.
Noch extremer verlief der Preisschock 2008, als ein sprunghafter Anstieg der chinesischen Nachfrage die realen Futures auf über 200 Dollar pro Barrel trieb. Sollte der aktuelle Konflikt eskalieren, wäre also noch erheblicher Spielraum nach oben vorhanden – mit entsprechenden Folgen für Inflation und Wirtschaftswachstum weltweit.
Erdgaspreise in Europa explodieren
Noch dramatischer ist die Lage am europäischen Erdgasmarkt. Die Referenzpreise sprangen am Dienstag um mehr als 21 Prozent nach oben. Auslöser war ein Produktionsstopp in der weltweit größten Exportanlage für Flüssigerdgas (LNG) in Katar, der die Versorgungssicherheit in Frage stellte.
Für Deutschland und Europa ist dies besonders brisant: Nach der Energiekrise infolge des Ukraine-Kriegs sind die Abhängigkeiten von LNG-Importen stark gestiegen. Ein anhaltender Ausfall katarischer Lieferkapazitäten würde die europäischen Energiemärkte erneut unter massiven Druck setzen und könnte die Inflationsdynamik wieder anfachen – ein Szenario, das Notenbanken und Regierungen gleichermaßen beunruhigt.
