Lieferketten in Gefahr: EPC-Canada-Chef sieht massive Sprengstoffrisiken für Minen
Der Chef von EPC Canada warnt vor Sprengstoffengpässen im kanadischen Bergbau. Lieferkettenrisiken durch geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und Produktionsausfälle bedrohen die Förderung. Das Unternehmen setzt auf Lagerhaltung, Lieferantendiversif

Olivier Vandenabelle, Vorstandsvorsitzender und CEO von EPC Canada, schlägt Alarm: Kanadische Minenbetreiber unterschätzen die Gefahr von Versorgungsengpässen bei Sprengstoffen, die Förderausfälle auslösen könnten. Geopolitische Spannungen und Handelskonflikte legen zunehmend Schwachstellen in kritischen Zulieferketten offen. Die Warnung kommt zum zehnjährigen Jubiläum des in Kirkland Lake (Ontario) ansässigen Sprengstoffherstellers in Kanada.
Seit der Akquisition von Nordex Explosives im Jahr 2016 hat die französische Konzernmutter EPC Groupe ihre kanadische Präsenz auf fünf Standorte in Ontario und Quebec ausgeweitet, den Umsatz verzehnfacht und die Mitarbeiterzahl auf knapp 200 erhöht. Vandenabelle betrachtet dieses Wachstum auch als strategische Antwort auf zunehmende Versorgungsrisiken. „Der russische Einmarsch in die Ukraine 2022 markierte den einschneidendsten Wendepunkt“, erklärte er. „Russland war damals der weltweit führende Exporteur von Ammoniumnitrat, einem essenziellen Rohstoff für Industriesprengstoffe.“
Die Eskalation zwang EPC Canada dazu, Importe russischen Ammoniumnitrats zu stoppen und auf US-Lieferanten auszuweichen. Dabei setzte man auf den Schienenweg, um die Versorgungskette aufrechtzuerhalten. Der Vorfall offenbarte, wie stark die Minenindustrie von einer überschaubaren Zahl chemischer Produzenten und Transportrouten abhängt. Während in der öffentlichen Debatte über Kanadas Bergbauzukunft vor allem Genehmigungsverzögerungen, Infrastrukturdefizite und Personalmangel thematisiert werden, fordert Vandenabelle, den Zugang zu zentralen Industrievorprodukten stärker in den Fokus zu rücken. Denn selbst ein voll ausgestattetes und besetztes Bergwerk gerät in Schwierigkeiten, wenn Sprengstoffe nicht verfügbar sind.
Lieferketten-Risiken im Fokus
Bereits die Pandemie hatte Importe chemischer Erzeugnisse aus Asien behindert und die Frachtkosten in die Höhe getrieben. Im November 2025 fiel zudem die CF-Industries-Anlage in Yazoo City (Mississippi) als wichtige nordamerikanische Versorgungsquelle aus. EPC Canada begegnete diesen Herausforderungen mit einer breiteren Lieferantenbasis, höheren Lagerbeständen und alternativen Transportwegen. Eine eigene Anlage zum Schmelzen von Ammoniumnitrat erlaubt es dem Unternehmen zudem, festes hochdichtes Ammoniumnitrat in eine Lösung umzuwandeln, die in Emulsionssprengstoffen zum Einsatz kommt – das erweitert die Beschaffungsmöglichkeiten.
„Lagerbestände verschaffen Zeit, und alternative Bezugsquellen zeigen einen Weg nach vorn“, so Vandenabelle. Das Unternehmen versichert, dass diese Maßnahmen unterbrechungsfreie Lieferungen an Kunden mit langfristigen Verträgen gesichert hätten – wenngleich die Vorhaltung zusätzlicher Bestände und Logistikkapazitäten die Kosten steigen ließ.
Vandenabelle sieht neue Unsicherheitsfaktoren durch die handelspolitischen Verwerfungen zwischen Kanada und den USA aufziehen. Zölle und mögliche Gegenschritte könnten den grenzüberschreitenden Verkehr von Chemikalien und Anlagen erschweren. Dabei hatte sich die Bergbaubranche bislang auf berechenbare Materialimporte aus den USA verlassen. „Für Minenunternehmen bedeutet dies: Ein nordamerikanischer Anbieter ist nicht automatisch vor internationalen Handelsrisiken gefeit“, mahnte er. Seiner Überzeugung nach sollten Bergbaufirmen die Notfallstrategien, Bestände und Transportalternativen ihrer Lieferanten genau unter die Lupe nehmen – anstatt Sprengstoffe primär als austauschbare Ware zu behandeln, die zum günstigsten Preis eingekauft wird.
Digitale Fortschritte in der Sprengtechnik
Neben den Versorgungsfragen verändern digitale Systeme die Planung und Durchführung von Sprengungen in Minen. EPC Canada setzt auf Techniken der Division Global Technical Solutions des EPC-Groupe-Konzerns, die Bohr- und Sprengdaten in Echtzeit zwischen Ingenieuren und Außenteams verfügbar machen. Früher hielten die Teams die Informationen häufig handschriftlich auf Papier fest, um sie nach Arbeitsschluss auszuwerten. Dank digitaler Systeme können Arbeiter nun Bohrstörungen sofort melden, nachbearbeitungsbedürftige Löcher identifizieren und geplante Sprengstoffmengen mit der tatsächlichen Ladung abgleichen.
„Der größte Umbruch liegt darin, dass vor Ort erfasste Daten Entscheidungen noch während des laufenden Betriebs beeinflussen können“, erläuterte Vandenabelle. Die Technologie verspricht verbesserte Koordination und hilft Ingenieuren bei der Optimierung von Sprengdesigns. Allerdings legte EPC Canada keine bezifferten Nachweise zu Kosteneinsparungen oder Produktivitätsfortschritten vor.
Auch die Umweltbilanz rückt zunehmend in den Blickpunkt. Vandenabelle berichtete, dass neuere Emulsionssprengstoffe die sichtbaren Stickoxid-(NOx)-Schwaden während der Sprengungen verringert hätten; viele Sprengungen erzeugten keine orangefarbene Wolke mehr. Das Ausbleiben sichtbarer Dämpfe bedeute jedoch nicht zwingend, dass die Emissionen verschwunden seien – konkrete Messwerte nannte das Unternehmen nicht. NOx-Gase gefährden die Atemwege und können dazu führen, dass Arbeiter länger warten müssen, bevor sie nach einer Sprengung ins Abbaugebiet zurückkehren. Die Entstehung dieser Gase hängt von der Sprengstoffrezeptur, den geologischen Bedingungen und der praktischen Anwendung ab.
Trotz des wachsenden Umweltbewusstseins seien die Kaufentscheidungen weiterhin stark vom Preis geprägt, so Vandenabelle. „Ein standardisiertes Einheitsprodukt mag zwar günstiger sein, doch diese Ersparnis verpufft, wenn die Sprengleistung darunter leidet“, argumentierte er. Seiner Ansicht nach sollten Bergbauunternehmen die Auswirkungen der Sprengstoffe auf die nachgelagerten Kosten für Ausbruch, Brechen und Mahlen einbeziehen, statt Produkte allein nach dem Anschaffungspreis zu beurteilen.
Für das kommende Jahrzehnt ist Vandenabelle überzeugt, dass d
