Indiens Stahlindustrie alarmiert über chinesische Importe
US-Zölle treiben chinesischen Stahl zu günstigen Preisen nach Indien

Indiens führender Stahlherstellerverband hat am Freitag vor einem weiteren Anstieg der Importe aus China gewarnt, nachdem die USA beschlossen haben, 25 % Zölle auf chinesische Stahlimporte zu erheben. Die Regierung von US-Präsident Joe Biden hat in diesem Monat hohe Zölle auf chinesische Importe verhängt, darunter 25 % auf Stahl und Aluminium, die ab Freitag in Kraft traten.
Alok Sahay, Generalsekretär der Indian Steel Association (ISA), äußerte gegenüber Reuters, dass die erhöhten handelspolitischen Maßnahmen der USA gegenüber chinesischem Stahl die indische Stahlindustrie zusätzlich negativ beeinflussen würden. Die Umleitung chinesischer Importe nach Indien sei hierbei ein entscheidender Faktor. Indien, der zweitgrößte Rohstahlproduzent der Welt, wurde im Geschäftsjahr bis März 2024 zum Nettoimporteur von Stahl, und dieser Trend hat sich auch im laufenden Jahr fortgesetzt, wobei die Importe aus China stark angestiegen sind.
Die Importe von Fertigstahl aus China erreichten im Zeitraum April bis August ein Siebenjahreshoch, während die Gesamtimporte von Fertigstahl ein Sechsjahreshoch von 3,7 Millionen Tonnen erreichten. Die schwache Stahlnachfrage im eigenen Land hat China, den weltweit größten Stahlproduzenten, dazu veranlasst, seine überschüssigen Bestände durch wettbewerbsfähige Preise an indische Käufer abzusetzen. Dies hat die indischen Stahlproduzenten in Bedrängnis gebracht.
Sahay erklärte, dass der Anstieg der Importe zu "räuberischen Preisen" aufgrund der Umleitung von Importen und des erheblichen Rückgangs des Stahlverbrauchs in China eine doppelte Belastung für die indische Stahlindustrie darstelle. Die ISA hat die indische Regierung bereits dazu aufgefordert, die Zölle auf Stahlimporte zu verdoppeln, um den Zustrom von billigem chinesischem Stahl einzudämmen.
Die ISA repräsentiert wichtige Stahlproduzenten wie JSW Steel, Tata Steel, ArcelorMittal Nippon Steel India und den staatlichen Steel Authority of India (SAIL). Aufgrund des Überangebots an chinesischem Stahl auf den internationalen Märkten haben auch japanische und europäische Stahlhersteller Importbeschränkungen gefordert.
Der indische Stahlminister H.D. Kumaraswamy sagte in diesem Monat, dass die heimischen Stahlhersteller aufgrund der günstigeren Importe "leiden". Die steigende wirtschaftliche Aktivität und die Neugestaltung der Infrastruktur haben Indien sowohl für inländische als auch internationale Stahlhersteller zu einem attraktiven Markt gemacht. Im Gegensatz zu Indien verlangsamt sich die Stahlnachfrage in Europa und den Vereinigten Staaten.
