Gaslieferungen nach Österreich trotz Gazprom-Stopp
Experten suchen nach Käufern und verfolgen Gasflüsse durch Europa

Russland liefert weiterhin Gas nach Österreich, obwohl der österreichische Energieversorger OMV die Zusammenarbeit mit Gazprom eingestellt hat. Seit dem 16. November erhält OMV nach eigenen Angaben kein Pipelinegas mehr aus Russland. Dennoch zeigen Daten des europäischen Ferngasleitungsverbands Entsog, dass auch Wochen nach dem Lieferstopp weiterhin Gas durch die Pipelines nach Österreich strömt. Anfangs wurde vermutet, dass es sich um Restmengen handelt, doch diese Erklärung wird mittlerweile ausgeschlossen.
Experten stehen vor einem Rätsel, wer die Gaslieferungen aufrechterhält. Klar ist, dass jemand das Gas kauft und bezahlt, da Gazprom ohne Zahlung die Lieferungen einstellen würde. Hinweise deuten darauf hin, dass ein Teil des Gases in der Slowakei verbleibt. So ist die Gasmenge, die die Ukraine an die Slowakei liefert, nahezu unverändert geblieben, während die Menge, die die Slowakei an Österreich weiterleitet, deutlich gesunken ist. Am 20. November etwa wurden 22 Prozent weniger Gas an Österreich geliefert als noch am 15. November. Experten gehen davon aus, dass die überschüssigen Gasmengen in der Slowakei entweder in Speicher fließen oder direkt von Haushalten genutzt werden.
Es gibt Vermutungen, dass ein westeuropäisches Unternehmen das Gas kauft, das nach Österreich geliefert wird. Branchenkreise nennen mögliche Käufer wie Schweizer Rohstoffhändler oder Gazprom-Tochtergesellschaften, doch offizielle Bestätigungen fehlen. Einmal an der Börse gehandelt, ist nicht mehr nachvollziehbar, woher das Gas ursprünglich stammt. Auffällig ist jedoch, dass die Handelsvolumina an der österreichischen Gasbörse nicht signifikant gestiegen sind.
Die Gasflüsse von Österreich in benachbarte Länder wie Italien, Deutschland und Slowenien haben sich seit dem Lieferstopp an OMV kaum verändert. Dies legt nahe, dass der Großteil des Gases, das Österreich erreicht, dort verbleibt. Da OMV nur etwa ein Drittel des österreichischen Gasbedarfs abdeckt, spüren die Gaskunden in Österreich bisher keine Auswirkungen des Lieferstopps.
Ein entscheidender Punkt könnte der Jahreswechsel sein. Ende Dezember läuft ein Vertrag zwischen Gazprom und dem ukrainischen Gasversorger Naftogaz aus, was die Pipelinegasflüsse durch die Ukraine gefährden könnte. Alternativen wie zusätzliche Lieferungen aus Aserbaidschan stehen im Raum, doch Experten befürchten, dass Russland indirekt davon profitieren könnte. Unterdessen zeigt sich an den Märkten bereits ein Anstieg der Gaspreise, die zuletzt den höchsten Stand seit zwölf Monaten erreichten.
