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BP und Shell als Stabilitätsfaktor: Energiebranche trotzt geopolitischen Spannungen

BP und Shell erweisen sich im anhaltenden US-Iran-Konflikt als Stabilitätsanker im FTSE 100, während der Energiesektor von steigenden Öl- und Gaspreisen profitiert. Für Rohstoff-Anleger zeigt sich ein zweigeteiltes Bild zwischen defensiven Großkonzernen u

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BP und Shell als Stabilitätsfaktor: Energiebranche trotzt geopolitischen Spannungen

Anfang Oktober 2026 bleibt die weltweite Finanzwelt weiterhin vom anhaltenden US-Iran-Konflikt geprägt. Der militärische Konflikt treibt die Energiepreise in die Höhe und dominiert die Stimmungslage an den Börsen. Während steigende Renditen bei Staatsanleihen die Aktienmärkte insgesamt unter Druck setzen, hat sich der Öl- und Gassektor im britischen Leitindex FTSE 100 als stabiler Rückzugsort erwiesen.

BP und Shell präsentieren sich dabei als widerstandsfähig. Die BP-Aktie legte im frühen Oktober-Handel um 1,4 Prozent auf 557 Pence zu, während Shell um 0,6 Prozent auf 3.589 Pence kletterte. Im mittelfristigen Vergleich seit Kriegsbeginn Ende Februar verzeichnet BP einen Zuwachs von 17 Prozent, Shell sogar von 24 Prozent. Beide Konzerne rechnen für 2027 zwar mit rückläufigen Gewinnen – nach einem starken Jahr 2026 –, doch Analysten sehen durchaus Potenzial für Anhebungen dieser Prognosen, falls das Energiepreisniveau dauerhaft hoch bleiben sollte.

Brent-Rohöl notiert gegenwärtig bei rund 101 Dollar je Barrel. Das liegt zwar unter dem im Mai prognostizierten "Crunch Point", übt aber weiterhin Inflationsdruck aus – insbesondere bei raffinierten Produkten wie Diesel. Damit bleibt der Preisdruck auf die Gesamtwirtschaft spürbar, auch wenn der Höhepunkt der Ölpreisrally vorerst überschritten scheint.

Die Details

Das dritte Quartal 2026 zeigte einen deutlichen Kontrast zwischen dem FTSE 100 und dem erstarkten FTSE 250. Der Blue-Chip-Index legte trotz eines schwankungsreichen Septembers moderat um 1 Prozent auf 10.606 Punkte zu. Der Energiesektor erwies sich dabei als eine der treibenden Kräfte: Shell verbuchte im Quartal ein Plus von 21,7 Prozent und erreichte Rekordniveau, BP legte 17,6 Prozent zu. Befeuert wurden diese Zugewinne durch einen Anstieg des Brent-Rohöls um 42 Prozent sowie einen Sprung der europäischen Erdgas-Futures um 67 Prozent im selben Zeitraum.

Im Gegenzug wirkte das hohe Energiepreisumfeld als Belastung für andere Branchen. Besonders betroffen war die International Consolidated Airlines Group (IAG), die um 8,3 Prozent nachgab. Die Fluggesellschaft kämpft mit gestiegenen Treibstoffkosten, die durch die anhaltende geopolitische Lage weiter angeheizt werden.

Abseits der großen Ölkonzerne weist der Sektor unterschiedlich hohe Risikoprofile auf. Tullow Oil, ein Produzent aus dem Small-Cap-Segment, erlebte extreme Kursschwankungen: Der Aktienkurs halbierte sich auf rund 10 Pence, nachdem das Unternehmen eine Steuerstreit-Niederlage in Ghana in Höhe von 196,5 Millionen Dollar hinnehmen musste. Analyst Edmond Jackson hält dennoch an einer "Buy"-Einstufung mit hohem Risiko fest und verweist auf die niedrigen Produktionskosten der Jubilee- und TEN-Assets von Tullow von etwa 8 Dollar je Barrel. Ob das Unternehmen seine Schuldenlast von 1.356 Millionen Dollar Nettoverschuldung bewältigen kann, hängt maßgeblich von anhaltend hohen Ölpreisen ab. Zwar weist die Bilanz negative Nettovermögenswerte aus, doch die Kapitalflussrechnung zeigt eine Erholung: Der Netto-Cashflow aus operativer Tätigkeit stieg im ersten Halbjahr von 85 Millionen auf 277 Millionen Dollar.

Der breitere Markt war im dritten Quartal von einem globalen Anleihen-Ausverkauf geprägt, da die Notenbanken – darunter die US-amerikanische Federal Reserve und die Europäische Zentralbank – angesichts der Inflation eine restriktive Geldpolitik beibehielten. Während die "Magnificent Seven" die US-Märkte auf Rekordhöhen trieben, kam es im britischen Markt zu deutlichen Umschichtungen. Rentokil Initial war der schwächste Blue Chip und verlor 30 Prozent, nachdem das Unternehmen ein Margenziel für Nordamerika gestrichen hatte. Hausbauer wie Persimmon und Barratt Redrow verbuchten dagegen spät im Quartal Kursgewinne, nachdem die Regierung neue Immobilienkreditschemata angekündigt hatte – für das laufende Jahr bleiben sie jedoch im Minus.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 19.03.2026 hatte aktien.news berichtet, dass der eskalierte Konflikt zwischen Israel und Iran die Energiepreise in die Höhe getrieben hatte: Brent-Rohöl verteuerte sich um mehr als 5 Prozent auf 113,09 Dollar je Barrel, während die europäischen Erdgaspreise (Dutch TTF) um knapp 20 Prozent anzogen. Die drohende Blockade der Straße von Hormus und die Abschaltung der Las-Raffan-Anlage in Katar verstärkten die Versorgungsängste; DAX, FTSE 100 und CAC 40 verzeichneten deutliche Kursverluste.

Am 30.03.2026 folgte der Bericht "Ölpreisschock: Wie Energieriesen den Nahost-Konflikt meistern". Darin wurde ausgeführt, dass der seit dem 28. Februar 2026 andauernde US-israelische Krieg gegen Iran die globalen Energiemärkte fundamental verändert habe. Der Brent-Rohölpreis stieg im März gegenüber dem Vormonat um rund 33 Prozent, und etwa 20 Prozent der weltweiten Öllieferungen kamen durch die Blockade der Straße von Hormus zum Erliegen. Besonders hart traf es Shell, dessen Pearl-Gas-to-Liquids-Anlage durch iranische Raketen- und Drohnenangriffe beschädigt wurde.

Am 01.04.2026 meldete aktien.news, dass der Ölpreis im ersten Quartal um rund 90 Prozent gestiegen war und die Marke von 100 Dollar je Barrel überschritten hatte. Laut einer Reuters-Umfrage unter Analysten könnte der Preis bei anhaltenden Lieferunterbrechungen zwischen 100 und 190 Dollar schwanken, wobei der Durchschnittswert der Prognosen bei 134,62 Dollar lag. Die OECD senkte bereits ihre Wachstumsprognosen.

Am 12.05.2026 berichtete aktien.news, dass US-Energieaktien trotz der historischen Ölkrise zu den günstigsten Titeln an der Wall Street zählten. Laut dem Datenanbieter FactSet erwarteten Analysten damals, dass die Energieaktien im S&P 500 im Jahr 2026 einen um 58 Prozent höheren Gewinn pro Aktie erzielen würden als noch vor Beginn des Iran-Krieges.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Einerseits haben sich Öl- und Gasaktien in einem von geopolitischen Schocks geprägten Umfeld als defensiver Schutz erwiesen und dem breiten Markt getrotzt. Andererseits bleibt die Frage offen, ob das aktuelle Energiepreisniveau eine temporäre Spitze darstellt

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