Saudi-Arabien bringt Ost-West-Pipeline wieder auf über 80 Prozent Auslastung
Saudi-Arabien hat die Ost-West-Pipeline auf über 80 Prozent der Kapazität hochgefahren und stellt damit die Versorgung seiner Westküste sicher. Die schnelle Erholung entlastet den Ölmarkt, während geopolitische Risiken die Preise weiterhin stützen.

Saudi-Arabien hat seine kritische Ost-West-Pipeline zügig wieder auf über 80 Prozent der maximalen Förderleistung hochgefahren. Damit sichert das Königreich die Rohölversorgung seiner Westküste ab, während die Sicherheitslage in der Region weiterhin angespannt bleibt. Der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco pumpt derzeit rund 6 Millionen Barrel täglich durch die Leitung, die eine Nennleistung von 7 Millionen Barrel pro Tag aufweist. Dies geht aus Informationen von Bloomberg hervor, die sich auf eine mit den Abläufen vertraute Person stützt.
Gegenüber Wochenbeginn, als die Pipeline noch nahezu zur Hälfte ausgelastet war, ist dies ein beachtlicher Zuwachs. Nach Abzug des Eigenbedarfs der Raffinerien an der Rotmeerküste stehen Aramco nun ungefähr 4,5 Millionen Barrel pro Tag für den Export über die westlichen Verschiffungsterminals zur Verfügung – ein historischer Höchstwert auf dieser Route.
Die rasche Wiederherstellung demonstriert die strategische Anpassungsfähigkeit des Königreichs bei Versorgungsstörungen im Nahen Osten. Sie erlaubt es Saudi-Arabien, zunehmend riskante Seewege zu meiden. Die Ost-West-Leitung fungiert als wichtigste Ausweichroute, um die Straße von Hormus zu umgehen – jenen neuralgischen Engpass, der im Zuge der Auseinandersetzungen mit dem Iran erhöhten Gefahren ausgesetzt ist.
Ausweichroute gewinnt an strategischem Gewicht
Schon zu Jahresbeginn konnte Riad über diese Pipeline nahezu 4 Millionen Barrel täglich Richtung Rotes Meer exportieren. Allerdings erwies sich die Sicherheitslage entlang der Landtrasse selbst als anfällig. Im vergangenen Monat führten Beschüsse aus dem Irak zu kurzzeitigen Unterbrechungen des Betriebs. Als Antwort auf diese Unterbrechung lenkte Saudi-Arabien vorübergehend große Mengen über die Straße von Hormus um, um seine internationalen Lieferverpflichtungen zu erfüllen.
Da die Verladungen am Rotmeerhafen Yanbu nun wieder zunehmen und parallel dazu weiterhin Tanker im Persischen Golf beladen werden, gehen Marktbeobachter davon aus, dass die gesamten Rohölexporte aus der Region rasch wieder das Vorkriegsniveau erreichen. Für heimische Anleger ist dies von Bedeutung, weil die Entwicklung unmittelbar die internationalen Ölnotierungen und damit die Energiepreise sowie die Teuerung im Euroraum beeinflusst.
Ölpreis unter 100 Dollar – weiterhin Unsicherheit
Der plötzliche Angebotszuwachs hat den internationalen Referenzpreis unter Druck gesetzt. Brent-Rohöl notierte am Freitag unter der Marke von 100 Dollar je Barrel. Energiehändler wägen die verbesserte Angebotslage jedoch weiterhin gegen mögliche geopolitische Zuspitzungen ab. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht dabei die Entscheidung der USA, eine zusätzliche Flugzeugträgerkampfgruppe sowie weitere Truppen in die Region zu verlegen.
Die Lage bleibt damit angespannt: Einerseits wirkt die wiederhergestellte Pipeline-Kapazität entlastend auf den Ölmarkt, andererseits drohen neue militärische Auseinandersetzungen, die die Versorgung erneut gefährden könnten. Rohstoff-Anleger sollten die Entwicklungen an der Straße von Hormus und entlang der saudischen Landroute daher genau im Blick behalten.
