Abenójar Tungsten erwägt IPO in London für Wolfram-Projekt El Moto
Der spanische Bergbauentwickler Abenójar Tungsten plant offenbar einen Börsengang in London, um das Wolfram-Gold-Projekt El Moto zu finanzieren – für Rohstoffanleger ein spannendes Signal angesichts der wachsenden Bedeutung kritischer Mineralien in Europa

Der spanische Minenentwickler Abenójar Tungsten lotet einem Medienbericht zufolge einen Börsengang an der Londoner Börse aus, um die Finanzierung seines unterirdischen Wolfram- und Goldprojekts El Moto im Wert von 241 Millionen US-Dollar sicherzustellen. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg meldet, wurden die Bank of Montreal (TSX: BMO), die Deutsche Bank (NYSE: DB) sowie Peel Hunt mit der Begleitung des möglichen IPOs beauftragt. Eine offizielle Bestätigung wird in den nächsten Wochen erwartet.
Der Zeitpunkt könnte für das Vorhaben kaum besser gewählt sein: Der Londoner Finanzplatz erlebte im Jahr 2026 ein deutliches Comeback und verzeichnete seit Jahresbeginn Emissionserlöse aus Börsengängen von rund 686 Millionen US-Dollar. Für Anleger, die auf Rohstoffwerte setzen, ist der geplante Schritt insofern bemerkenswert, als er in ein Marktumfeld fällt, in dem strategische Mineralien auf der europäischen Agenda weit oben stehen.
Baubeginn am Standort El Moto erfolgt
Die Unternehmensgruppe, die von der traditionsreichen Bergbaufamilie García San Miguel geführt wird, hat vergangene Woche nach 14 Jahren Vorbereitungszeit offiziell mit den Bauarbeiten an der Lagerstätte El Moto begonnen. Die untertägige Mine ist darauf ausgelegt, über eine anfängliche Betriebsdauer von 18 Jahren jährlich 4.227 Tonnen Wolframkonzentrat zu fördern; der kommerzielle Produktionsstart ist für das erste Quartal 2029 vorgesehen.
„Dieses Bergwerk ist in erster Linie für die Menschen gedacht, die in dieser Region zu Hause sind“, erklärte CEO Gonzalo García San Miguel bei der Grundsteinlegung am 18. September. „Europa benötigt Wolfram, ist aber in der Versorgung nahezu vollständig von Importen abhängig. In Abenójar liegt ein Teil der Lösung. Für meine Familie ist dies das Projekt eines ganzen Lebens: Wir sind hier, um zu bleiben.“
Wolfram, das aufgrund seines extrem hohen Schmelzpunkts geschätzt wird, gilt als unverzichtbar für die Luft- und Raumfahrt, Rüstungssysteme, industrielle Fertigung sowie Technologien im Bereich erneuerbarer Energien. Die Europäische Kommission stufte El Moto im März 2025 auf Grundlage des Gesetzes für kritische Rohstoffe als strategisches Vorhaben ein – eines von nur sieben derartigen Projekten in Spanien. Diese Einstufung unterstreicht die immense Bedeutung des Projekts für die Rohstoffsicherheit Europas.
Peking dominiert den Wolframsektor
Ein wesentlicher Grund für das europäische Engagement ist die starke Abhängigkeit von China: Das Land kontrolliert gegenwärtig rund 79 Prozent der weltweiten Wolframförderung, verarbeitet das gesamte im Inland gewonnene Konzentrat und drosselt die Ausfuhren erheblich. Diese konzentrierte Marktstruktur macht Projekte wie El Moto für europäische Abnehmer besonders interessant.
Eine im August veröffentlichte endgültige Machbarkeitsstudie bescheinigte El Moto überzeugende wirtschaftliche Kennzahlen. Auf Basis von Wolframpreisen in Höhe von 1.415 US-Dollar pro Tonne und Goldnotierungen von 3.500 US-Dollar je Unze soll der Betrieb im regulären Produktionszyklus jährliche Gewinne von rund 406 Millionen US-Dollar erwirtschaften, bei einer internen Verzinsung nach Steuern von 62 Prozent.
Ökologische Standards haben hohen Stellenwert
Neben der Rentabilität legt das Unternehmen großen Wert auf Umweltaspekte. El Moto ist ausschließlich als Untertagebergwerk konzipiert, das auf das Paste-Backfill-Verfahren und trocken gestapelte Tailings setzt, um die Umweltbelastung gering zu halten – auf ein oberirdisches Absetzbecken kann dadurch verzichtet werden. Zudem ist vorgesehen, während der Produktion keine Wasserabflüsse zu erzeugen, indem Grubenwasser und aufbereitetes Oberflächenwasser vor Ort wiederverwendet werden.
Ob der Börsengang tatsächlich realisiert wird, bleibt bis zur angekündigten offiziellen Mitteilung abzuwarten. Fest steht jedoch: Sollte Abenójar Tungsten den Schritt an die Londoner Börse wagen, wäre dies ein weiteres Indiz für die zunehmende Relevanz kritischer Rohstoffe im europäischen Anlageuniversum – ein Thema, das auch Rohstoffinvestoren verstärkt im Blick haben sollten.
