Zinnmarkt im Aufwind durch Angebotsengpässe und Bestandsaufbau
Schwache Nachfrage und Rohstoffmangel beeinflussen den globalen Zinnhandel

Im vergangenen Jahr verzeichnete die Zinnnachfrage eine geringere Entwicklung als erwartet und zeigt für das Jahr 2024 lediglich Anzeichen einer moderaten Erholung. Laut der International Tin Association (ITA) waren die Zinnpreise in diesem Jahr vor allem durch Angebotsengpässe getrieben, weniger durch die Nachfrageentwicklung. Der Preis für das Lötmetall auf der London Metal Exchange stieg im Vergleich zum Jahresbeginn um 27 % und lag zuletzt bei 32.250 US-Dollar pro Tonne. Dennoch sank der weltweite Verbrauch an raffiniertem Zinn um 3,9 % auf 357.100 Tonnen, und der Gesamtverbrauch, einschließlich unraffiniertem Zinn, fiel um 4,9 % auf 433.000 Tonnen.
Die Nachfrageerholung wird maßgeblich von China getragen, das 2024 ein Wachstum von 3 % erwartet. Die Elektronikbranche, die über die Hälfte des globalen Zinnverbrauchs ausmacht, zeigte 2023 eine um 1 % geringere Nachfrage. Hauptgrund war die Kaufkraftschwäche in vielen westlichen Ländern, die den Konsum von Elektronikprodukten einschränkte. Für 2024 wird ein Anstieg der Nachfrage um 2,5 % prognostiziert, unterstützt durch eine allgemein bessere Wirtschaftslage und die sukzessive Ablösung von Blei beim Löten von Leiterplatten. Die Nachfrage in anderen Bereichen wie Chemie, Weißblech und Kupferlegierungen ging ebenfalls zurück. Eine Erholung wird erwartet, mit Ausnahme des Zinn-Kupfer-Segments, das unter Chinas schwachem Bausektor leidet.
Weltweit wachsende Bestände halfen, den Markt zu stabilisieren, da sich die Zinnbestände an der London Metal Exchange und der Shanghai Futures Exchange von 10.000 Tonnen Anfang 2023 auf fast 25.000 Tonnen im Mai 2024 erhöhten. Der Anstieg wurde durch die Unterbrechung der indonesischen Exporte in den ersten beiden Monaten 2024 weiter verstärkt. Die Lagerbestände in China erreichten im Mai mit 17.818 Tonnen ein Rekordhoch, fielen jedoch seither wieder zurück. Die Vorräte der Verbraucher deckten Ende 2023 etwa 3,8 Wochen des globalen Bedarfs ab. Für Ende 2024 wird eine leichte Reduzierung auf 3,4 Wochen erwartet, was auf eine steigende Nachfrage hindeutet.
Die Knappheit an Rohmaterialien verstärkt den Druck auf die chinesischen Zinnhütten, die derzeit Schwierigkeiten haben, ausreichende Mengen an Konzentraten zu beschaffen. Der Betrieb der Man Maw-Mine in Myanmar, die etwa 7 % der globalen Zinnproduktion liefert und viele chinesische Hütten versorgt, ist seit August letzten Jahres unterbrochen. Der Import von Zinnkonzentrat aus Myanmar sank im September auf nur 1.400 Tonnen, und die Gesamtimporte bis zum Jahresende werden voraussichtlich um 52 % auf 66.000 Tonnen zurückgehen. Infolge dieser Knappheit hat China seine Zinnimporte erhöht und verzeichnete im September 2.000 Tonnen raffiniertes Zinn.
Die unklare Situation um die Man Maw-Mine beeinflusst derzeit das weltweite Zinnangebot und stützt die Preise. Die allgemeine Nachfrageschwäche hat bisher für eine Stabilisierung der Lagerbestände gesorgt, doch bei zunehmender Nachfrage könnten bald Turbulenzen auftreten. China konnte den Rohstoffverlust durch Myanmar bisher nicht vollständig kompensieren, da die Gesamtimporte von Konzentraten aus allen Quellen um etwa ein Drittel sanken.
