YPF meldet 649-Millionen-Dollar-Verlust trotz Schieferöl-Boom
Argentiniens staatlicher Ölkonzern YPF überraschte im vierten Quartal mit starken Betriebskennzahlen, schreibt aber rote Zahlen.

Der argentinische Energiekonzern YPF hat für das vierte Quartal einen Nettoverlust von 649 Millionen US-Dollar gemeldet. Gleichzeitig legte die Schieferölförderung des Unternehmens im Jahresvergleich um beeindruckende 42 Prozent zu – auf 196.000 Barrel pro Tag. Damit sendet YPF gemischte Signale an Investoren und Analysten.
Der Umsatz sank im Jahresvergleich um 4 Prozent auf 4,56 Milliarden US-Dollar. Dennoch übertraf dieser Wert die Analystenschätzungen von 4,11 Milliarden Dollar deutlich. Das bereinigte EBITDA – eine Schlüsselkennzahl für die operative Ertragskraft in der Energiebranche – kletterte um 53 Prozent auf 1,28 Milliarden Dollar und übertraf damit ebenfalls die Konsensprognose von 1,22 Milliarden Dollar.
Vaca Muerta als Wachstumsmotor
Das operative Herzstück von YPF ist das Schieferölfeld Vaca Muerta in der Provinz Neuquén. Die gesamte Schieferölproduktion wuchs im Gesamtjahr um 35 Prozent auf durchschnittlich 165.000 Barrel täglich. Im vierten Quartal beschleunigte sich das Wachstum nochmals auf 42 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Für die argentinische Regierung unter Präsident Javier Milei ist YPF von strategischer Bedeutung. Das Land setzt auf Vaca Muerta, um zum Netto-Energieexporteur zu werden, die Devisenreserven aufzustocken und die heimische Währung zu stabilisieren. Analysten prognostizieren für 2025 einen Energiehandelsüberschuss von bis zu 10 Milliarden US-Dollar – getragen maßgeblich von der Ölförderung.
Bedeutung für die argentinische Wirtschaft
Argentinien kämpft seit Jahren mit Währungskrisen und Devisenmangel. Ein wachsender Energieexportsektor könnte dem Land dringend benötigte Dollarreserven verschaffen. YPF gilt dabei als Schlüsselakteur, dessen Performance als Indikator für die wirtschaftliche Erholung des Landes gilt.
Für deutsche Anleger, die in Schwellenländer-Energie investieren, bleibt YPF ein interessanter, aber risikobehafteter Wert. Trotz starker operativer Kennzahlen drücken Abschreibungen und Währungseffekte auf das Nettoergebnis. Die Entwicklung in Vaca Muerta bleibt dabei der entscheidende Faktor für die langfristige Bewertung des Konzerns.
