US-Iran-Gespräche: WTI-Ölpreis vor entscheidender Weichenstellung
Die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran könnten den Rohölpreis entweder über 70 Dollar treiben oder einen massiven Absturz auslösen.

Die Ölmärkte stehen vor einer Schicksalswoche. Die laufenden Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran gelten als möglicherweise letzte Chance für einen diplomatischen Durchbruch. Berichten zufolge befinden sich umfangreiche US-Streitkräfte und verbündete Truppen in Alarmbereitschaft – bereit zum Eingreifen, sollten die Gespräche scheitern.
WTI-Rohöl erreichte zu Beginn der Woche neue Jahreshöchststände knapp oberhalb von 67 Dollar pro Barrel, bevor eine Konsolidierungsphase einsetzte. Die aktuelle Seitwärtsbewegung spiegelt die Unsicherheit über den Ausgang der Iran-Verhandlungen wider. Kernpunkt des jahrelangen Streits ist das iranische Atomprogramm, dem die US-Regierung die Absicht unterstellt, Kernwaffen zu entwickeln.
Im Falle einer militärischen Eskalation könnte der WTI-Preis seinen seit Januar laufenden Aufwärtstrend fortsetzen und die Marke von 70 Dollar pro Barrel überschreiten. Gelingt hingegen eine diplomatische Einigung mit Lockerung der Sanktionen, droht ein deutlicher Preisrückgang – mit dem Potenzial, die Tiefststände vom Jahreswechsel 2025/2026 zu unterschreiten.
OPEC+ als zusätzlicher Belastungsfaktor
Parallel zu den geopolitischen Spannungen findet am kommenden Sonntag ein reguläres OPEC+-Treffen statt. Auf der Agenda steht die Frage, ob die dreimonatige Pause bei den Produktionssteigerungen endet. Eine Wiederaufnahme der Fördererhöhungen um 137.000 Barrel pro Tag ab April würde das Angebot am Markt spürbar ausweiten.
Saudi-Arabien, ein enger Verbündeter der USA, könnte eine solche Produktionsausweitung befürworten. Dies würde nicht nur das Ölangebot erhöhen, sondern auch den Druck auf Russland durch niedrigere Weltmarktpreise aufrechterhalten – ein geopolitisch bedeutsamer Nebeneffekt.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist Chinas Reaktion auf den Konflikt. Als wichtigster Verbündeter des Irans könnte Peking den Verlauf des Konflikts und damit die Marktreaktionen maßgeblich beeinflussen. Zuletzt hatte Washington die Sanktionen auf 30 weitere Unternehmen ausgeweitet, die am Transport von iranischem Öl beteiligt sind.
Technische Analyse: Unterstützung bei 64 Dollar
Aus charttechnischer Sicht liegt die nächste wichtige Unterstützungszone bei rund 64 Dollar pro Barrel – dort treffen eine aufsteigende Trendlinie und eine lokale Unterstützung zusammen. Sollte eine entscheidende Lösung im Iran-Konflikt ausbleiben und die Verkäufer die Oberhand gewinnen, wäre ein tieferer Rückgang mit einem ersten Abwärtsziel nahe 62 Dollar möglich.
Für Anleger bleibt die Lage damit äußerst komplex. Zwei gegenläufige Szenarien – militärische Eskalation versus diplomatische Einigung – stehen sich diametral gegenüber und machen eine klare Positionierung schwierig. Die kommenden Tage dürften die Preisrichtung für Rohöl auf kurze und mittlere Sicht entscheidend prägen.
