US-Lizenzen bringen Venezuelas Öl zurück auf Kurs
EIA erwartet Rückkehr zur Vor-Blockade-Förderung bis 2026, doch globales Überangebot drückt Preise

Venezuela ist plötzlich wieder ein Faktor – nicht wegen neuer Felder, sondern weil Washington den Hahn politisch wieder ein Stück weiter aufdreht. Die US-Energiebehörde EIA erwartet, dass ausgeweitete US-Lizenzen die venezolanische Ölproduktion bis Mitte 2026 auf das Niveau von vor der Blockade zurückführen können.
Auffällig ist, wie schnell aus einem erzwungenen Stillstand wieder Bewegung wird. Nach einer strikten US-Seeblockade im Dezember – sie kappte faktisch die Exportfähigkeit des Landes – musste der Staatskonzern PDVSA die Förderung tief drosseln. Vor der Blockade lagen Venezuelas Mengen laut EIA bei rund 1,1 bis 1,2 Millionen Barrel pro Tag. Inzwischen ist die Produktion wieder auf knapp 1,0 Million Barrel pro Tag gestiegen.
Lizenzen statt Lagerstau
Der Schlüssel liegt in den Genehmigungen: Die US-Regierung hat zuletzt neben Chevron auch die Händler Vitol und Trafigura autorisiert, venezolanisches Öl zu exportieren. Damit wurde ein akutes Problem entschärft, das in solchen Situationen wie Sand im Getriebe wirkt: Übervolle Tanks an Land und volle Schiffe, weil der Abfluss fehlt. Ein Teil der Mengen wurde laut EIA in Terminals in der Karibik zwischengelagert – von dort dürfte das Öl in Richtung Raffinerien an der US-Golfküste weitergehen.
Noch wichtiger: Ende Januar folgte eine erweiterte allgemeine Lizenz, die mehr Firmen Transport und Verkauf erlaubt. Das soll Förderstillstände verhindern und die Rückkehr zur Aktivität von vor der Blockade bereits bis zum Ende des zweiten Quartals 2026 ermöglichen, so die EIA. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Für PDVSA ist das ein Rückenwind, den die Branche in Venezuela lange nicht mehr gesehen hat.
Mehr Öl, mehr Druck auf Preise
Der venezolanische Schwenk passt allerdings in ein größeres Bild, das Anleger nicht übersehen sollten. Die EIA rechnet damit, dass das globale Angebot bis Ende 2027 schneller wächst als die Nachfrage – mit steigenden Lagerbeständen und entsprechendem Preisdruck. Brent soll 2026 im Schnitt bei 57,69 Dollar je Barrel liegen, nach 55,87 Dollar in der vorherigen Prognose, aber deutlich unter dem Vorjahresschnitt von rund 69 Dollar. Für 2027 sieht die EIA Brent sogar bei etwa 53 Dollar.
Parallel schiebt auch die US-Förderung den Markt: Die EIA erwartet für 2026 einen Rekord von durchschnittlich 13,60 Millionen Barrel pro Tag – rund 10.000 Barrel mehr als bislang prognostiziert – und danach ein Abflachen auf etwa 13,32 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2027. Weltweit soll die Produktion von Rohöl und Flüssigkraftstoffen im Schnitt bei 107,8 Millionen Barrel pro Tag liegen.
Die entscheidende Frage lautet nun: Wird Venezuela in diesem Umfeld zur willkommenen Entlastung für Käufer – oder zur zusätzlichen Last für einen Markt, der ohnehin zu viel Öl sieht? Entscheidend wird sein, ob die Lizenzpolitik stabil bleibt und ob die neue Exportlogik tatsächlich nachhaltig mehr Förderung erlaubt, statt nur kurzfristig Lagerbestände umzuschichten.
