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Wenn der Minenzaun nicht reicht: Soziale Faktoren als Sicherheitsrisiko im Bergbau

Die Bergbauindustrie muss Sicherheit ganzheitlicher denken: Lebensumstände, psychische Belastung und soziale Faktoren beeinflussen die Unfallgefahr massiv. Eine Konferenz in Johannesburg zeigte, warum reine Arbeitsplatzsicherheit nicht mehr ausreicht.

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Wenn der Minenzaun nicht reicht: Soziale Faktoren als Sicherheitsrisiko im Bergbau

Die Bergbauindustrie muss ihr Verständnis von Gesundheit und Sicherheit grundlegend überdenken. Zu dieser Einschätzung gelangten Fachleute im Rahmen der Wits Mining Institute (WMI) Breakfast Dialogue Series 2, die am 27. August in Johannesburg über die Bühne ging. Die zentrale Erkenntnis: Die Lebensumstände der Bergleute in ihren eigenen vier Wänden und ihrer Nachbarschaft wirken sich massiv auf ihr Sicherheitsverhalten im Job aus.

Unter dem Titel „Beyond the Fence: Wie Gemeindeumgebungen die Gesundheits- und Sicherheitsleistung im Bergbau prägen“ tauschten sich Experten aus Wissenschaft, Unternehmen und Verbänden aus. WMI-Direktor Dr. Pontsho Twala unterstrich, dass die Branche Arbeitssicherheit nicht länger losgelöst von den sozialen und wirtschaftlichen Lebensrealitäten der Beschäftigten betrachten könne.

„Mangelhafter Wohnraum, unzureichender Zugang zu Versorgungsleistungen, Probleme im Verkehr und familiäre Verpflichtungen sind Faktoren, die einen Arbeiter bereits beeinflussen, bevor er das Minengelände betritt“, erklärte Twala. „Zero Harm“ – also die Vision von null Arbeitsunfällen – dürfe nicht auf den Arbeitsplatz beschränkt bleiben. Psychische Gesundheit, Menschenrechte, faire Löhne, Bildung und Aufklärung müssten ebenfalls in ein erweitertes Sicherheitskonzept einfließen.

Herausforderungen für Frauen im Minenalltag

Ein zentraler Punkt der Gespräche waren die spezifischen Erfahrungen von Frauen in der Bergbauindustrie. Lerato Tsele, stellvertretende Leiterin für Sicherheit und nachhaltige Entwicklung beim Minerals Council South Africa, wies darauf hin, dass weibliche Beschäftigte nach wie vor eine besonders verletzliche Gruppe innerhalb der Belegschaft darstellen.

Sie benannte mehrere Problemfelder: Persönliche Schutzausrüstung (PSA), die ursprünglich für Männer entwickelt wurde, sexuelle Belästigung, mangelhafte Sanitäranlagen sowie die zusätzlichen Pflichten, die viele Frauen außerhalb des Berufs übernehmen. „Frauen im Bergbau zählen zu den verwundbarsten Mitgliedern der Belegschaft. Die Industrie hat zwar Fortschritte erzielt, doch wir kämpfen weiterhin mit erheblichen Anfangsschwierigkeiten bei der sinnvollen und gefahrlosen Integration von Frauen am Arbeitsplatz“, so Tsele.

Für eine wirkliche Inklusion seien Anpassungen bei der Arbeitsplatzgestaltung, der Ausrüstung, der Unternehmenskultur, der Führung und den Einrichtungen nötig. Tsele verwies auf die Belastungen durch Kinderbetreuung, Haushaltsführung, Pflege älterer Angehöriger und finanzielle Sorgen, die dazu führten, dass Frauen häufig bereits körperlich und seelisch ausgelaugt zur Schicht erschienen.

Seelische Belastung als Gefahrenfaktor

Dr. Lucé Pretorius, Programmleiterin und Senior Lecturer an der North-West University, plädierte dafür, Bergleute als vollständige Persönlichkeiten zu betrachten, die ständig zwischen Zuhause, Gemeinde und Arbeitsstätte pendeln. Anhand einer fiktiven Bergarbeiterin namens Naledi zeigte sie auf, wie sich Erschöpfung, Stress, emotionale Anspannung und kognitive Beanspruchung über diese verschiedenen Lebensbereiche hinweg aufstauen können.

„Eine aktuelle Untersuchung im südafrikanischen Bergbau ergab, dass 31 Prozent der Beschäftigten moderate bis schwere psychische Belastungen angaben, wobei Frauen höhere Werte nannten als Männer“, berichtete Pretorius. „Zahlen zeigen uns, was schiefläuft, aber nicht unbedingt, warum dies der Fall ist.“

Sie forderte die Bergbaukonzerne auf, nachgelagerte Hilfsangebote wie Beratung, Mitarbeiterunterstützungsprogramme sowie finanzielle und rechtliche Unterstützung mit vorbeugenden Maßnahmen zu verknüpfen. Dazu zählten die Gestaltung der Arbeitsbedingungen, Schichtpläne, Müdigkeitsmanagement, PSA und Arbeitsplatzeinrichtungen. Die Branche brauche außerdem bessere Daten, um psychosoziale Risiken zu erkennen, bevor sie zu Sicherheitsvorfällen führten.

Sicherheitsdenken in der Gesellschaft verankern

Noleen Dube, Senior Manager für externe Angelegenheiten bei South32 Africa, hob hervor, dass eine Sicherheitskultur nicht allein innerhalb der kontrollierten Umgebung einer Mine entstehen könne. Bergleute stammten häufig aus Gemeinschaften, in denen risikobehaftetes Verhalten durch alltägliche Erfahrungen mit Verkehr, Straßensicherheit, Kriminalität und anderen sozialen Zwängen normalisiert werde.

„Wie bringen wir die Sicherheitskultur der Gemeinde und die am Arbeitsplatz zusammen? Um die Sicherheitskultur und den Arbeitsplatz, den wir alle langfristig anstreben, zu verbessern, müssen wir ein Sicherheitsbewusstsein in der gesamten Gesellschaft verankern“, argumentierte Dube. Sie forderte eine stärkere Einbindung von Männern in Initiativen zur Erhöhung der Sicherheit von Frauen und zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt, da ein nachhaltiger Wandel nicht allein den Frauen überlassen werden dürfe.

Vernetzter Systemansatz als Lösung

Mabatho Gaula, Unit Manager des Learning Design Hub bei Sibanye-Stillwater, sprach sich für einen vernetzten Systemansatz für Gesundheit, Sicherheit und Wohlbefinden aus. Das Arbeitsumfeld, die Belegschaft, die gesundheitliche Verfassung der Mitarbeiter sowie das äußere Umfeld müssten als zusammenhängend betrachtet werden, nicht als voneinander getrennte Zuständigkeitsbereiche.

Gaula verwies auf Kennzahlen zur Sicherheitsleistung, zur Demografie der Belegschaft, zu Gesundheits- und Wohlbefindensindikatoren sowie auf externe Faktoren wie Transport, Infrastruktur, öffentliche Dienstleistungen und kommunale Kapazitäten als Signale, die gemeinsam ausgewertet werden könnten. Das Ziel müsse sein, von der isolierten Betrachtung einzelner Indikatoren zum Verständnis der Wechselwirkungen verschiedener Risiken zu gelangen.

„Wenn wir ein zusammengefasstes Ergebnis verbessern, heißt das nicht, dass das kritische Risiko verschwunden ist. Deshalb brauchen wir eine breiter angelegte Reaktion, die nicht nur auf die Identifikation kritischer Risiken abzielt, sondern auf Lernen, Führung und Rechenschaftspflicht setzt“, so Gaula.

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