Neues US-Sanktionspaket gegen russisches Öl verärgert Indien
Der US-Kongress hat ein scharfes Sanktionsgesetz gegen russisches Öl verabschiedet, das Indien als größten Abnehmer auf dem Seeweg massiv unter Druck setzt und die globalen Energiemärkte destabilisieren könnte – mit direkten Folgen für Rohstoffpreise und

Das US-Repräsentantenhaus hat den "Lindsey O. Graham Sanctioning Russia and Iran Act of 2026" mit breiter bipartisaner Unterstützung gebilligt – 262 Abgeordnete stimmten dafür, 159 dagegen. Bereits im Vormonat hatte der Senat die Vorlage mit 86 zu 11 Stimmen passieren lassen. Nun liegt das Gesetz Präsident Donald Trump zur Unterschrift vor. Ein Sprecher des Weißen Hauses teilte mit, dass der Präsident das Vorhaben in den nächsten Tagen in Kraft setzen werde.
Die Regelung soll die russische Volkswirtschaft infolge des fortdauernden Ukraine-Krieges weiter schwächen. Sie räumt dem US-Präsidenten die Kompetenz ein, Zölle von bis zu 100 Prozent gegen jene Nationen zu erheben, die zu den fünf größten Abnehmern von russischem Rohöl oder Erdgas zählen. Neben diesen Handelsrestriktionen enthält das Gesetz Sanktionen gegen russische Regierungsvertreter und Geldinstitute und verschärft zudem die Maßnahmen gegen den Iran.
Streit um weitreichende Zollvollmachten
Unterstützer wie der Kongressabgeordnete Michael McCaul sehen in dem Gesetz ein Mittel, um Wladimir Putin an den Verhandlungstisch zu zwingen. Kritiker wie die Abgeordneten Gregory Meeks, Don Beyer und Richard Neal äußerten dagegen Vorbehalte. Sie warnten davor, dass die Vorlage dem Präsidenten eine zu umfassende Zollbefugnis verleihe, die missbräuchlich genutzt werden könne, und letztlich "mehr Schaden als Nutzen" verursache.
Die indische Führung zeigte sich alarmiert über die Verabschiedung. Das Außenministerium in Neu-Delhi erklärte, das Gesetz könne die bilateralen Beziehungen zwischen Washington und Neu-Delhi beeinträchtigen und die globalen Energiemärkte ins Wanken bringen. Indien, gegenwärtig der größte Abnehmer von russischem Rohöl auf dem Seeweg, betonte, dass man die Angelegenheit bereits auf höchster Ebene mit US-Vertretern besprochen habe.
Indien unter Versorgungsdruck
Indien sei entschlossen, die Energieversorgung für seine 1,4 Milliarden Einwohner sicherzustellen und werde weiterhin auf eine breit gestreute Beschaffung setzen, so das Ministerium. Die neue Gesetzgebung trifft das Land in einer angespannten Lage: Laut einem Bloomberg-Bericht stehen staatliche indische Raffinerien bereits unter Beschaffungsdruck, da der anhaltende Konflikt im Nahen Osten die Situation weiter zuspitzt.
Daher versucht Indien, seine Bezugsquellen auf Länder wie Brasilien, Kanada, Venezuela, afrikanische Staaten und die USA auszuweiten. Neben Indien könnten auch andere große Importeure wie China und der US-Verbündete Türkei von den neuen Zolltarifen direkt betroffen sein. Das Gesetz bedeutet somit nicht nur eine Verschärfung der Sanktionspolitik gegenüber Russland, sondern könnte auch weitreichende geopolitische Verschiebungen nach sich ziehen.
Für Anleger in Rohstoffmärkte ist diese Entwicklung hochrelevant, denn eine Verunsicherung der globalen Energiemärkte hätte unmittelbare Folgen für die Rohstoffpreise und damit für die Inflationsdynamik. Sollte Indien als zentraler Abnehmer von russischem Öl ausfallen, könnten die Ölnotierungen weltweit anziehen, was wiederum die Energieversorgung in Europa und Deutschland verteuern würde. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob Präsident Trump das Gesetz wie angekündigt unterzeichnet und wie die betroffenen Nationen darauf reagieren.
