USA lehnen weitere Ölfreigaben aus strategischen Reserven ab
Das US-Energieministerium distanziert sich von IEA-Plänen zur Entspannung der globalen Ölversorgung.

Washington führt derzeit keine Gespräche über zusätzliche Rohölfreigaben aus den strategischen Petroleumreserven (SPR). Das bestätigte ein Beamter des US-Energieministeriums am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Die Erklärung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt für den globalen Ölmarkt.
Die Internationale Energieagentur (IEA) prüft unterdessen eine weitere koordinierte Freigabe aus den Reserven ihrer Mitgliedsstaaten. Ziel wäre es, Versorgungsunterbrechungen infolge des Krieges im Iran abzufedern. Erst im März hatten sich die IEA-Mitglieder auf eine Rekordfreigabe von 400 Millionen Barrel geeinigt – die größte koordinierte Aktion in der Geschichte der Organisation.
Die Ölpreise sind seit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran vor rund einem Monat massiv gestiegen. Ausschlaggebend dafür ist vor allem die Schließung der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten für Rohöl weltweit. Durch diese enge Meerenge zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel fließen täglich rund 20 Prozent des globalen Ölhandels.
Strategische Reserven als KrisenInstrument
Die strategischen Petroleumreserven der USA zählen zu den größten der Welt und dienen als Puffer bei schweren Versorgungsengpässen. In der Vergangenheit wurden sie etwa nach dem Hurrikan Katrina 2005 oder während der Energiekrise 2022 eingesetzt. Die aktuelle Zurückhaltung Washingtons signalisiert, dass die USA trotz hoher Ölpreise vorerst keinen weiteren Handlungsbedarf sehen.
Für deutsche Verbraucher und Anleger sind die Entwicklungen am Ölmarkt von unmittelbarer Bedeutung. Steigende Rohölpreise erhöhen den Druck auf die Kraftstoffpreise an deutschen Tankstellen und belasten energieintensive Industrien. Zugleich rückt die Frage in den Fokus, wie lange die IEA ohne die Unterstützung der USA eine koordinierte Marktintervention stemmen kann.
