Baltic Dirty Tanker Index erreicht Rekordstand von 3.737 Punkten
Der wichtigste Rohöl-Frachtindex der Welt klettert nach Ausbruch des Iran-Krieges auf ein historisches Allzeithoch.

Der Baltic Dirty Tanker Index, der die weltweiten Transportkosten für Rohöl auf dem Seeweg misst, hat ein historisches Rekordhoch erreicht. Am 27. März kletterte der Index auf 3.737 Punkte – ein Wert, der in der Geschichte des Indexes noch nie verzeichnet wurde. Seitdem ist er nur geringfügig zurückgegangen.
Noch zu Beginn des vergangenen Jahres bewegte sich der Index auf einem vergleichsweise ruhigen Niveau von rund 1.000 Punkten. Im Herbst begann ein erster Anstieg, der sich nach Ausbruch des Krieges mit dem Iran dramatisch beschleunigte. Die Marke von 2.000 Punkten wurde dabei relativ zügig durchbrochen.
Straße von Hormus als kritischer Engpass
Die treibenden Kräfte hinter dem Preisanstieg sind aus vergangenen Krisen bekannt. Wenn Schiffseigner physischen Risiken und Reputationsgefahren ausgesetzt sind, schrumpft das effektive Angebot an verfügbaren Tankern. Gleichzeitig muss das Rohöl weiterhin transportiert werden, was die Frachtraten massiv in die Höhe treibt.
Die aktuelle Situation weist jedoch eine entscheidende Besonderheit auf: Ein Großteil der verfügbaren Tankerflotte steckt auf der falschen Seite der Straße von Hormus fest. Diese strategisch bedeutende Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman ist der einzige Seeweg aus dem Persischen Golf – durch sie fließt rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels.
Deutlich schwerer als die Ukraine-Krise 2022
Zum Vergleich: Als der Baltic Dirty Tanker Index im Jahr 2022 infolge des russischen Einmarsches in die Ukraine sprunghaft anstieg, lag sein damaliges Höchstniveau noch mehr als 1.000 Punkte unter dem aktuellen Rekordwert. Die geopolitische Eskalation rund um den Iran trifft den globalen Ölmarkt damit deutlich härter als die Ukraine-Krise.
Für deutsche Importeure und Energieunternehmen bedeuten steigende Frachtraten unmittelbar höhere Bezugskosten für Rohöl. Anhaltend hohe Tankerraten könnten sich mittelfristig auf die Kraftstoff- und Energiepreise in Europa auswirken.
