Straße von Hormus: Schiffsverkehr bricht drastisch ein
Nur noch zwei Schiffe täglich passieren die strategisch wichtige Meerenge – statt über 100 in Friedenszeiten.

Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist nach Angriffen auf den Iran nahezu zum Erliegen gekommen. Die Schiffsverfolgungsunternehmen Windward und Kpler melden einen Sieben-Tage-Durchschnitt von lediglich zwei Transitpassagen täglich – ein Einbruch um mehr als 98 Prozent gegenüber dem normalen Niveau von über 100 Durchfahrten pro Tag.
Besonders dramatisch ist die Lage im Persischen Golf selbst. Nach Angaben der renommierten Schiffsmakler Clarksons und Braemar sitzen derzeit rund 1.100 Schiffe in der Region fest und warten auf eine Entspannung der Sicherheitslage. Die Meerenge gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt, da durch sie ein erheblicher Teil des global gehandelten Rohöls transportiert wird.
Angriffe seit Ende Februar
Auslöser der Krise sind Angriffe der USA und Israels auf den Iran Ende Februar. Seitdem wurden laut Windward insgesamt 20 Schiffe im Persischen Golf getroffen. Das britische Maritime Trade Operations Centre (UKMTO) hat in der Region 17 Meldungen über direkte Angriffe auf Schiffe sowie vier Berichte über verdächtige Aktivitäten registriert.
Die Sicherheitslage hat damit eine neue Eskalationsstufe erreicht. Reedereien und Versicherer reagieren mit erheblichen Risikoaufschlägen, was die ohnehin angespannten globalen Lieferketten weiter belastet. Für den internationalen Rohölhandel und die Energieversorgung Europas hat die Route durch den Persischen Golf und die Straße von Hormus eine kaum zu überschätzende Bedeutung.
Schiffe mit Ziel China bleiben in Fahrt
Eine bemerkenswerte Ausnahme bilden Schiffe, die chinesische Häfen ansteuern. Diese setzen ihre Fahrt offenbar ungeachtet der Sicherheitslage fort, was auf diplomatische Absprachen oder besondere Schutzvereinbarungen zwischen Peking und Teheran hindeutet. Analysten beobachten diese Entwicklung als möglichen Hinweis auf eine geopolitische Spaltung der Schifffahrtsrouten.
Für deutsche Importeure und Energieversorger bedeutet die Blockade erhöhte Beschaffungskosten und Versorgungsunsicherheiten. Tankerraten und Versicherungsprämien für die Region sind bereits deutlich gestiegen. Experten warnen, dass eine anhaltende Sperrung der Straße von Hormus die globalen Energiemärkte nachhaltig destabilisieren könnte.
