Straße von Hormus: Ölpreise fallen trotz US-Drohungen gegen Iran
Erste Tanker passieren die Meerenge wieder – Brent fällt auf 100 Dollar, WTI gibt deutlich nach.

Die USA haben am Wochenende den Druck auf den Iran massiv erhöht: Washington beschoss am späten Freitag das iranische Exportzentrum auf der Insel Charg und drohte, weitere Ölanlagen ins Visier zu nehmen, sollte Teheran die Straße von Hormus nicht wieder für den internationalen Schiffsverkehr öffnen. Die strategisch bedeutende Meerenge am Persischen Golf ist eine der wichtigsten Ölrouten der Welt – rund 20 Prozent des globalen Ölhandels passieren sie täglich.
Präsident Trump versuchte zudem, Verbündete für Geleitschutz-Missionen zu gewinnen, um Handelsschiffe sicher durch die Wasserstraße zu eskortieren. Diese Bemühungen blieben dem Vernehmen nach ohne Erfolg. Kein westlicher Partner sagte bislang konkrete militärische Unterstützung zu.
Erste Tanker passieren die Meerenge
Trotz der angespannten Lage gab es am Wochenende Berichte über begrenzten Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus. Ein unter pakistanischer Flagge fahrender Öltanker durchquerte die Meerenge – es ist das erste bekannte nicht-iranische Schiff seit Beginn des Konflikts. Zusätzlich passierten zwei unter indischer Flagge fahrende Tanker die Passage. Diese Entwicklung dürfte die Nervosität an den Ölmärkten zumindest teilweise gedämpft haben.
Die Ölpreise reagierten dennoch volatil auf die geopolitischen Nachrichten. Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg zeitweise auf über 106 US-Dollar pro Barrel, fiel dann aber zurück und schloss bei 100,21 Dollar – ein Rückgang von 2,8 Prozent. Die US-amerikanische Referenzsorte WTI gab noch deutlicher nach und verlor 5,3 Prozent auf 93,50 Dollar pro Barrel.
Bedeutung für deutsche Anleger und Verbraucher
Für deutsche Anleger und Verbraucher ist die Lage am Persischen Golf von direkter Relevanz. Steigende Ölpreise treiben die Energiekosten in die Höhe und belasten die ohnehin unter Inflationsdruck stehende deutsche Wirtschaft. Der Rückgang der Futures-Preise könnte kurzfristig für Entlastung sorgen, solange die Meerenge zumindest teilweise befahrbar bleibt. Entscheidend wird sein, ob sich der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus in den kommenden Tagen normalisiert oder die Spannungen erneut eskalieren.
