SPP sichert Gaslieferungen aus Aserbaidschan
Pilotvertrag als Vorbereitung auf mögliche Lieferstopps durch die Ukraine

Der slowakische Energieversorger SPP hat einen kurzfristigen Pilotvertrag mit dem aserbaidschanischen Unternehmen SOCAR abgeschlossen, um Erdgas aus Aserbaidschan zu beziehen. Dieser Vertrag ermöglicht SPP, im Dezember eine erste Lieferung zu testen. Ziel ist es, mögliche Alternativen für den Fall zu schaffen, dass die Gaslieferungen aus Russland über die Ukraine ausbleiben. Ein bisheriger Vertrag zwischen Russland und der Ukraine zur Durchleitung von Erdgas nach Europa endet am Jahresende, was viele europäische Abnehmer dazu zwingt, nach anderen Bezugsquellen Ausschau zu halten. Aserbaidschan gilt als eine der möglichen neuen Quellen.
Russland hat zwar die Bereitschaft signalisiert, weiterhin Erdgas durch die Ukraine zu liefern, trotz des Krieges mit seinem Nachbarn. Die ukrainische Regierung lehnt jedoch Verhandlungen mit Russland über den Gasexport ab. Nach Angaben von SPP wird die aserbaidschanische Gaslieferung über Österreich erfolgen, genaue Details zu den Liefermengen wurden nicht genannt. Eine informierte Quelle erklärte jedoch, dass kleinere Mengen aserbaidschanischen Gases über die Trans-Balkan-Pipeline in Bulgarien nach Europa geliefert werden sollen.
SPP hat sich in der Vergangenheit stark für die Aufrechterhaltung des Gastransits durch die Ukraine eingesetzt, bemüht sich jedoch ebenfalls intensiv darum, seine Lieferquellen zu diversifizieren. Der slowakische Versorger hat dazu bereits langfristige Lieferverträge mit mehreren internationalen Unternehmen wie BP, Exxon Mobil, Shell, Eni und RWE abgeschlossen. Laut SPP verfügt das Unternehmen mittlerweile über Gaslieferkapazitäten, die das Volumen des tatsächlichen Bedarfs seiner Kunden um bis zu 150 % übersteigen, was als Sicherheitsreserve dient. Diese Reservekapazitäten könnten in der Zukunft sogar noch weiter ausgebaut werden.
Um eine sichere Gasversorgung für seine Kunden zu gewährleisten, insbesondere für große Industriekunden und private Haushalte, trifft SPP zusätzliche Vorkehrungen. Sollte der Gasfluss durch die Ukraine unterbrochen werden, stehen dem slowakischen Unternehmen alternative Transitwege zur Verfügung. Einer dieser Routen verläuft durch Deutschland und die Tschechische Republik. Ein anderer möglicher Weg führt durch die Türkei über die Turk-Stream-Pipeline durch das Schwarze Meer und weiter über Bulgarien, Serbien und Ungarn.
SPP erklärte, dass im Falle eines Wegfalls der russischen Lieferungen weitere Maßnahmen zur Sicherstellung der Gasversorgung notwendig würden. Allerdings wären diese Alternativen kostenintensiver. Die vollständige Umstellung auf andere Quellen und der physische Transit des gesamten benötigten Gasvolumens nach Slowakei würde nach Schätzungen von SPP mindestens 140 Millionen Euro zusätzliche Kosten verursachen.
