Orlen warnt vor neuen Verlusten im Olefins-Projekt
Fehler und Missstände bei Planung und Bau führen zu explodierenden Kosten und Ermittlungen

Der polnische Öl- und Gaskonzern Orlen steht vor möglichen weiteren Verlusten im Zusammenhang mit seinem Vorzeigeprojekt im Bereich Petrochemie, dem Olefins-Komplex. Das Unternehmen gab bekannt, dass es im Planungs- und Bauprozess zu Problemen gekommen sei, die zu zusätzlichen Verlusten führen könnten. Ursprünglich wurde das Projekt unter der vorherigen Unternehmensführung mit einem geschätzten Budget von 8,3 Milliarden Zloty (ca. 2,11 Milliarden US-Dollar) begonnen. Mittlerweile belaufen sich die Kosten jedoch auf 25 Milliarden Zloty, während der Umfang und die Effizienz des Projekts nach unten korrigiert wurden.
Orlen hat angekündigt, noch in diesem Jahr über die Zukunft des Projekts zu entscheiden, nachdem bereits Abschreibungen vorgenommen wurden. Laut einer Erklärung des Unternehmens vom Dienstag wurden im Zuge der Überprüfung des Planungs- und Bauprozesses eine Reihe von Fehlern und Missständen festgestellt, die zu weiteren Verlusten führen könnten. Insgesamt wurden bereits mehr als 50 interne Prüfungen von Projekten, die unter der ehemaligen Geschäftsführung durchgeführt wurden, abgeschlossen, und eine ähnliche Anzahl von Prüfungen ist noch im Gange. Parallel dazu laufen mehrere staatsanwaltliche Untersuchungen zu den Handlungen der früheren Führung.
Besonders im Fokus der Ermittlungen stehen zwei Fälle, in denen die Handlungen oder Unterlassungen des ehemaligen Vorstands zu erheblichen finanziellen Schäden führten. So verursachte die Tochtergesellschaft Orlen Trading Switzerland (OTS) Verluste von rund 1,6 Milliarden Zloty durch Vorauszahlungen für vorwiegend venezolanisches Öl. Außerdem belastete eine unrechtmäßige Nutzung von "Pflichtreserven", um die Kraftstoffpreise vor der Wahl im Oktober niedrig zu halten, das Unternehmen mit weiteren 3,5 Milliarden Zloty.
Zusätzlich wurde bekannt, dass Mitglieder des früheren Vorstands 43 Millionen Zloty ohne geschäftliche Begründung ausgegeben haben. Zu den Ausgaben des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden gehörten auch Kosten für prothetische und ästhetische medizinische Leistungen. Orlen erklärte, es gebe den begründeten Verdacht, dass diese Kosten nicht im vereinbarten Managementpaket enthalten waren und nicht mit der Firmenkreditkarte hätten bezahlt werden dürfen.
