Iran-Krieg treibt Ölpreise: Wie Trump die Märkte steuert
Brent-Öl schwankt zwischen 95 und 120 Dollar – Trumps Rhetorik folgt einem klaren Muster.

Seit Beginn des Iran-Krieges vor knapp vier Wochen erlebt der Ölmarkt extreme Turbulenzen. Der Preis für ein Barrel Brent-Rohöl kletterte zwischenzeitlich auf bis zu 120 Dollar – vor Kriegsbeginn hatte er noch unter 70 Dollar notiert. Heute Morgen verteuerten sich Brent und das US-Öl WTI um jeweils 2,4 Prozent auf 104,75 beziehungsweise 92,47 Dollar je Fass.
Die Preisbewegungen folgen dabei einem auffälligen Rhythmus. Recherchen der Financial Times zeigen: Sobald die US-Ölpreise sich der Marke von 95 bis 100 Dollar annähern, wechselt die Trump-Regierung auf einen deeskalierenden Ton. Ein Energiehändler bestätigte dieses Muster gegenüber der Zeitung.
Anfang der Woche ließ Trumps Kehrtwende die Ölpreise um bis zu 14 Prozent einbrechen. Der US-Präsident ordnete an, militärische Angriffe auf iranische Kraftwerke und Energieinfrastruktur für fünf Tage auszusetzen – zuvor hatte genau die Androhung dieser Angriffe die Preise in die Höhe getrieben.
Benzinpreise als politischer Druckpunkt
"Es ist klar, dass Trump Angst vor hohen Preisen an der Zapfsäule hat. Benzin über vier Dollar ist ein politischer Killer", erklärte Ölanalyst Jorge Montepeque von der Onyx Capital Group gegenüber der Financial Times. Gleichzeitig dürfe Trump nicht als Verlierer dastehen – ein Spannungsfeld, das den Konflikt zwischen Eskalation und Deeskalation hält.
Das Muster ist dabei bemerkenswert konsistent: An Handelstagen, wenn die Märkte geöffnet sind, dominiert versöhnliche Rhetorik. Am Wochenende hingegen füllt Trump seine Aussagen mit Drohungen – die Märkte reagieren entsprechend volatil.
Für Trump kommt die Entwicklung zur Unzeit. Seine Zustimmungswerte sind auf den niedrigsten Stand seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus gefallen. Laut einer Ipsos-Umfrage für Reuters zeigten sich zuletzt nur noch 36 Prozent der US-Bürger zufrieden mit seiner Amtsführung – in der Vorwoche waren es noch 40 Prozent. In diesem Jahr stehen zudem die Midterm-Wahlen an.
Globale Wachstumsrisiken durch Straße von Hormus
Die OECD warnt vor erheblichen Folgen für die Weltwirtschaft. Die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel der globalen Öl- und Flüssiggaslieferungen fließen, ist durch den Konflikt gefährdet. Das globale Wirtschaftswachstum dürfte sich demnach auf 2,9 Prozent im laufenden Jahr abschwächen, nach 3,3 Prozent im Jahr 2025.
Auch die USA spüren die Bremswirkung: Die OECD prognostiziert für die Vereinigten Staaten ein Wachstum von 2,0 Prozent in diesem Jahr und 1,7 Prozent im kommenden Jahr. Trump hat bereits den Jones Act ausgesetzt – ein Gesetz aus den 1920er-Jahren, das Gütertransporte zwischen US-Häfen an Schiffe unter US-Flagge bindet – um die Energieversorgung zu erleichtern. Spürbare Entlastung blieb bisher aus.
DAX unter Druck, Deutschland trifft es doppelt
Deutschland leidet gleich auf mehreren Ebenen. Die OECD erwartet für die deutsche Wirtschaft 2026 nur noch ein Wachstum von 0,8 Prozent – 0,2 Prozentpunkte weniger als noch im Dezember prognostiziert. Gleichzeitig dürfte die Inflation höher ausfallen als zuletzt erwartet.
An den Tankstellen ist die Lage für Verbraucher bereits spürbar: Mehr als zwei Euro pro Liter für Diesel und Benzin sind längst normal. Der Bundestag verabschiedete deshalb ein Maßnahmenpaket: Tankstellen dürfen Preise künftig nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen, Preissenkungen bleiben jederzeit möglich. Das Bundeskartellamt erhält zudem erweiterte Befugnisse gegen überhöhte Preise.
Am Aktienmarkt zeigen sich die Belastungen ebenfalls. Der DAX verlor am Mittag 1,3 Prozent auf 22.661 Punkte. "Ohne greifbare Ergebnisse schenken die Börsianer der Diplomatie keinen Glauben", kommentierte Stephan Innes von SPI Asset Management. Die Energiekosten kämen in der Wirtschaft immer stärker belastend an – auch die Verbraucherstimmung trübt sich laut aktuellen Prognosen von GfK und NIM weiter ein.
