40 Prozent russischer Ölexportkapazität durch Ukraine-Angriffe lahmgelegt
Drohnenangriffe, Pipelineschäden und Tankerbeschlagnahmungen treffen Russlands Ölinfrastruktur so hart wie nie zuvor.

Mindestens 40 Prozent der russischen Ölexportkapazitäten liegen derzeit brach. Das entspricht rund 2 Millionen Barrel pro Tag und stellt laut Reuters-Berechnungen die schwerste Versorgungsunterbrechung in der modernen Geschichte Russlands dar. Betroffen sind die Ostseehäfen Primorsk und Ust-Luga sowie die Druzhba-Pipeline, die durch die Ukraine nach Ungarn und in die Slowakei führt.
Die Ukraine hat ihre Drohnenangriffe auf russische Öl- und Kraftstoffinfrastruktur in diesem Monat deutlich intensiviert. Alle drei großen westlichen Ölexporthäfen Russlands wurden getroffen: Noworossijsk am Schwarzen Meer sowie Primorsk und Ust-Luga an der Ostsee. Kiew begründet die Angriffe damit, Moskaus Einnahmen aus dem Energiesektor zu schmälern, die rund ein Viertel der russischen Staatseinnahmen ausmachen.
Das Ölterminal in Noworossijsk, das bis zu 700.000 Barrel täglich umschlagen kann, verladt seit einem schweren Drohnenangriff Anfang März deutlich weniger Öl als geplant. Zusätzlich haben häufige Beschlagnahmungen russischer Tanker in Europa den Export von 300.000 Barrel Arktis-Öl pro Tag aus dem Hafen Murmansk unterbrochen. Händler berichten, dass alternative Exportrouten nach Asien kapazitätsbedingt begrenzt sind.
Einnahmen unter Druck – Ölpreis über 100 Dollar
Die Unterbrechungen treffen Russland zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Der Ölpreis hat aufgrund des Iran-Krieges die Marke von 100 Dollar pro Barrel überschritten, was die entgangenen Exporteinnahmen besonders schmerzhaft macht. Die Öl- und Gaswirtschaft ist das Rückgrat der 2,6 Billionen Dollar schweren russischen Volkswirtschaft.
Russland versucht, den Ausfall westlicher Exportrouten durch verstärkte Lieferungen nach Asien zu kompensieren. Die drei wichtigsten China-Routen – Skoworodino-Mohe, Atasu-Alashankou sowie ESPO-Blend-Exporte über den Hafen Kosmino – liefern zusammen rund 1,9 Millionen Barrel täglich. Hinzu kommen rund 250.000 Barrel pro Tag aus den Sachalin-Projekten im russischen Fernen Osten sowie rund 300.000 Barrel täglich für Raffinerien im benachbarten Belarus.
Moskau bezeichnet die ukrainischen Angriffe als Terroranschläge und hat die Sicherheitsvorkehrungen an kritischer Infrastruktur in allen elf Zeitzonen des Landes verschärft. Die Druzhba-Pipeline, die laut Kiew Ende Januar durch russische Gegenschläge beschädigt wurde, sorgt zusätzlich für Spannungen: Ungarn und die Slowakei fordern von der Ukraine die sofortige Wiederaufnahme der Lieferungen. Für Europa, das weiterhin auf Restlieferungen aus dieser Route angewiesen ist, bleibt die Lage angespannt.
