IEA gibt 400 Millionen Barrel Öl aus Reserven frei
Die größte Reservenfreigabe der Geschichte soll explodierende Ölpreise nach der Schließung der Straße von Hormus dämpfen.

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat die bislang größte koordinierte Freigabe strategischer Ölreserven in ihrer Geschichte eingeleitet. Die Mitgliedsländer der IEA werden insgesamt 400 Millionen Barrel Rohöl auf den Weltmarkt bringen, um den massiven Preisanstieg infolge des Konflikts mit dem Iran zu bekämpfen. Damit wird die bisherige Rekordaktion aus dem Jahr 2022 mehr als verdoppelt.
Damals hatten die IEA-Mitglieder nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine 182 Millionen Barrel freigegeben – eine Maßnahme, die seinerzeit als historisch galt. Die aktuelle Situation wird von Energieexperten jedoch als noch gravierender eingestuft. Auslöser ist die nahezu vollständige Sperrung der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Ölhandelsrouten der Welt.
Straße von Hormus: Kritischer Engpass für den Weltölmarkt
Durch die schmale Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Arabischen Meer wird rund ein Fünftel des weltweiten Ölangebots transportiert. Iranische Angriffe auf Tanker sowie das Verlegen von Seeminen haben den Schiffsverkehr dort nahezu zum Erliegen gebracht. Dies hat die Rohölpreise an den internationalen Märkten massiv in die Höhe getrieben.
Der Hintergrund der Eskalation ist ein US-israelischer Angriff auf den Iran, der das Regime zu Vergeltungsmaßnahmen gegen Öltanker veranlasste. Energieexperten arbeiteten daraufhin unter Hochdruck an einem Notfallplan. Das Verlegen von Minen deutet darauf hin, dass die Störungen im Tankerverkehr noch längere Zeit anhalten könnten – selbst wenn die aktiven Kampfhandlungen enden sollten.
Auswirkungen auf deutsche Verbraucher und Industrie
Für Deutschland als stark von Ölimporten abhängige Volkswirtschaft sind solche Preisschocks besonders spürbar. Steigende Rohölpreise schlagen sich direkt in höheren Benzin- und Heizölpreisen nieder und belasten die energieintensive Industrie. Die IEA-Maßnahme soll den Preisdruck kurzfristig abfedern und Versorgungssicherheit signalisieren.
Die strategischen Reserven der IEA-Mitgliedsländer sind genau für solche Krisenszenarien angelegt. Sie sollen bei schweren Versorgungsunterbrechungen als Puffer dienen und panikartige Preisreaktionen an den Märkten verhindern. Ob die Freigabe von 400 Millionen Barrel ausreicht, hängt maßgeblich davon ab, wie lange die Straße von Hormus gesperrt bleibt.
