Deutschland plant Wasserstoff-Importe aus Indien
Kooperation soll klimafreundliche Energie fördern und Handelsbeziehungen stärken

Deutschland plant, in Zukunft größere Mengen an grünem Wasserstoff aus Indien zu importieren. Grüner Wasserstoff, der als klimafreundlicher Energieträger gilt, spielt eine zentrale Rolle in der deutschen Energiewende. Die Bundesregierung sieht in diesem Energieträger einen wichtigen Baustein, um die angestrebte Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen. Wirtschaftsminister Robert Habeck betonte, dass Deutschland voraussichtlich einen Großteil seines Bedarfs an Wasserstoff importieren muss. Vor diesem Hintergrund wurde im Rahmen der deutsch-indischen Regierungskonsultationen in Neu-Delhi eine Vereinbarung für eine engere Zusammenarbeit unterzeichnet.
Die sogenannte Wasserstoff-Roadmap soll den Handel fördern und dazu beitragen, den Energieträger langfristig rentabel zu machen. Insbesondere in energieintensiven Industrien wie Stahl und Zement könnte Wasserstoff eine bedeutende Rolle spielen, um diese klimaneutral zu gestalten. Indien gilt aufgrund seiner günstigen Preise für erneuerbaren Strom als potenziell wettbewerbsfähiger Hersteller von grünem Wasserstoff und strebt an, sich als wichtiger Exporteur zu etablieren. Allerdings wurden bisher keine festen Lieferkontingente vereinbart.
Kritiker weisen darauf hin, dass es noch einige Zeit dauern könnte, bis Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar sein wird. Zudem bleibt unklar, ob Indien angesichts seines eigenen starken Wirtschaftswachstums in der Lage sein wird, große Mengen zu exportieren. Die deutsche Wasserstoffstrategie sieht vor, dass das Land bis 2030 Wasserstoff mit einer Leistung von 95 bis 130 Terawattstunden pro Jahr benötigt, was einem Brennwert von mehr als drei Millionen Tonnen entspricht. Schätzungen zufolge müssten 50 bis 70 Prozent davon importiert werden.
Indien plant, bis Ende des Jahrzehnts eine Produktionskapazität von fünf Millionen Tonnen Wasserstoff pro Jahr aufzubauen. Der Transport soll, wie auch bei anderen weit entfernten Ländern wie Namibia und Kanada, per Schiff erfolgen. Habeck räumte bei einem Gespräch mit Studenten in Neu-Delhi ein, dass die Umstellung industrieller Prozesse auf Wasserstoff teuer sei. Deutschland sehe sich jedoch in der Verantwortung, als wohlhabendes Land die Industrie klimaneutral zu machen und entsprechende Investitionen zu tätigen.
Das kürzlich unterzeichnete Kooperationspapier zwischen Deutschland und Indien zielt auch darauf ab, die Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung zu stärken. Unternehmen aus beiden Ländern sollen besser vernetzt werden, und der Bau von Exportterminals für klimafreundlich erzeugtes Ammonium in Indien soll unterstützt werden. Die Roadmap definiert verschiedene Arbeitsbereiche, die nun von Wissenschaftlern, Studierenden und Unternehmen ausgefüllt werden müssen. Konkrete Finanzierungszusagen enthält das Dokument allerdings nicht, verweist aber auf bestehende Förderprogramme, an denen sich auch Unternehmen aus dem jeweils anderen Land beteiligen können.
Deutschland und Indien verbindet bereits seit 2006 eine Energiepartnerschaft, die durch die aktuelle Zusammenarbeit im Bereich Wasserstoff weiter vertieft werden soll.
