Bessent: USA verschonen Irans Ölinfrastruktur und erwägen Sanktionslockerungen
US-Finanzminister Scott Bessent schließt Angriffe auf iranische Energieinfrastruktur aus und signalisiert mögliche Freigabe von Ölreserven.

US-Finanzminister Scott Bessent hat am Donnerstag in einem Interview mit Fox Business Network klargestellt, dass die Vereinigten Staaten die iranische Energieinfrastruktur trotz des anhaltenden Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran nicht angreifen werden. Washington lässt den Export von iranischem Öl aus dem Persischen Golf weiterhin zu. Diese Aussage sorgte umgehend für Aufmerksamkeit an den Rohstoffmärkten.
Noch weitreichender ist Bessents Ankündigung, dass die USA in den kommenden Tagen Sanktionen gegen iranisches Öl aufheben könnten, das sich derzeit auf See befindet. Der Finanzminister bezifferte die betroffenen iranischen Ölmengen auf insgesamt rund 140 Millionen Barrel. Durch die gezielte Freigabe dieser schwimmenden Reserven will Washington ein Überangebot auf dem Markt erzeugen und damit die Ölpreise niedrig halten.
Strategische Ölreserve als weiteres Instrument
Bessent betonte, dass die USA in Bezug auf das globale Ölangebot noch über erhebliche Handlungsspielräume verfügen. Er schloss ausdrücklich eine weitere Freigabe der strategischen Erdölreserve (Strategic Petroleum Reserve, SPR) nicht aus, sollte dies zur Preisstabilisierung notwendig sein. Die SPR ist das weltgrößte staatliche Notfalllager für Rohöl und fasst bis zu 714 Millionen Barrel.
Gleichzeitig zog Bessent klare Grenzen: Das US-Finanzministerium werde nicht in die Terminmärkte für Öl eingreifen und grundsätzlich keine Interventionen an den Finanzmärkten vornehmen. Der Einfluss auf die Preise solle ausschließlich über das physische Angebot erfolgen – konkret durch das auf See befindliche iranische Öl.
Japan als strategischer Partner bei der Ölversorgung
Im Hinblick auf internationale Kooperation signalisierte Bessent, dass Japan ein natürlicher Verbündeter bei der Sicherung der Ölversorgung aus dem Golf sei. Japan ist als rohstoffarmes Land stark von Ölimporten abhängig und zählt zu den größten Rohölimporteuren weltweit. Bessent verwies dabei auf das enge persönliche Verhältnis von US-Präsident Donald Trump zum japanischen Regierungschef als Grundlage für eine enge Zusammenarbeit.
Für deutsche und europäische Anleger sind diese Signale bedeutsam: Sollten die USA tatsächlich iranisches Öl auf den Markt bringen und zusätzlich SPR-Reserven freigeben, dürfte der Druck auf die Rohölpreise spürbar zunehmen. Energieaktien und rohstoffabhängige Branchen könnten entsprechend reagieren.
