WTI-Abschlag gegenüber Brent auf höchstem Stand seit 2015
Der Preisunterschied zwischen US-Rohöl und der globalen Benchmark Brent erreicht ein Elf-Jahres-Hoch.

Der Abschlag für US-amerikanisches West Texas Intermediate (WTI) gegenüber der Nordseesorte Brent hat am Mittwoch mit 12,05 US-Dollar pro Barrel den größten Stand seit März 2015 erreicht. Auslöser sind Angriffe auf Ölinfrastruktur im Nahen Osten, die den Brent-Preis auf Mehrjahreshöchststände trieben. Gleichzeitig sorgt ein wachsendes Angebot in den USA für Druck auf den WTI-Preis.
Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran hat die globalen Energiemärkte erheblich destabilisiert. Ein wichtiger Handelsweg im Nahen Osten ist weitgehend geschlossen, Teile der regionalen Energieproduktion stehen still. Das treibt Brent als globale Referenzsorte deutlich nach oben, während der US-Markt von steigenden heimischen Fördermengen geprägt wird.
Lukrative Arbitrage für Rohöl-Händler
Die wachsende Preisdifferenz eröffnet Händlern attraktive Arbitragemöglichkeiten: Wer US-Rohöl kauft und in teurere Märkte verschifft, kann erhebliche Gewinne erzielen. Trotz gestiegener Frachtkosten bleibt das Fenster für profitable Exporte geöffnet. Die Kosten für einen Aframax-Tanker, der bis zu 700.000 Barrel von der US-Golfküste nach Europa transportiert, stiegen von rund 4,36 Millionen Dollar vor Kriegsbeginn auf etwa 6 Millionen Dollar.
Gorgios Sakellariou, Charter-Analyst bei Signal Maritime, bestätigt: Der aktuelle WTI/Brent-Spread ist groß genug, um die höheren Frachtkosten vollständig auszugleichen. Das dürfte die amerikanischen Rohölexporte in den kommenden Wochen spürbar ankurbeln. US-Exporteure profitieren damit indirekt von der Eskalation im Nahen Osten.
Für deutsche Anleger und Energieverbraucher bedeutet die Entwicklung zweierlei: Einerseits könnten steigende US-Exporte das globale Angebot stabilisieren und den Brent-Preisanstieg dämpfen. Andererseits bleibt die geopolitische Unsicherheit im Nahen Osten ein erhebliches Risiko für die Energieversorgung Europas.
