Washington setzt auf Bergbau-Allianzen mit Ottawa und Canberra gegen Pekings Mineralmacht
Der frühere US-Sanktionsbeamte Edward Fishman warnt auf dem Mining Forum Americas, dass eine konfrontative Kanada-Politik die amerikanischen Bemühungen zur Reduzierung der China-Abhängigkeit bei Mineralien gefährden könnte. Entscheidend seien die Bergbauk

Die wachsende Konfrontationslinie zwischen Washington und Ottawa könnte die strategischen Anstrengungen der USA untergraben, ihre Lieferabhängigkeit von Mineralien aus China zu reduzieren. Genau davor warnte am Montag der frühere US-Sanktionsbeauftragte Edward Fishman beim Mining Forum Americas in Colorado Springs. Zwar besitzen die Vereinigten Staaten nach seiner Überzeugung ausreichend Kapital und den notwendigen politischen Willen, um in mineralische Versorgungsketten zu investieren – doch ohne die bergbauliche Kompetenz ihrer Partnerstaaten blieben diese Vorhaben Stückwerk.
Nach den Ausführungen Fishmans sind es vor allem Kanada und Australien, auf die die USA bei der Erschließung entsprechender Lagerstätten angewiesen sind. Beide Nationen gelten seit vielen Jahrzehnten als etablierte Bergbauländer, deren Fachwissen sich nicht von heute auf morgen ersetzen lässt. Eine vertiefte Kooperation mit diesen Partnern würde die wirtschaftliche Resilienz der Vereinigten Staaten nachhaltig festigen, so Fishman.
Der ehemalige Regierungsmitarbeiter der Obama-Administration, der 2017 aus dem Staatsdienst ausschied, fand deutliche Worte: „Ich denke, wenn wir Kanada antagonisieren wollen, wird es für uns praktisch unmöglich sein, aus dieser Abhängigkeit von …". Das Zitat bricht in der Berichterstattung an dieser Stelle zwar ab, die Stoßrichtung ist jedoch eindeutig: Eine feindselige Haltung gegenüber dem nördlichen Nachbarn würde die eigene strategische Ausgangslage empfindlich schwächen.
Ein ausgewiesener Fachmann für Sanktionsfragen
Fishman wirkt als Senior Fellow am Council on Foreign Relations (CFR), einer einflussreichen Denkfabrik in den USA. Seine Karriere ist eng mit der amerikanischen Sanktions- und Wirtschaftspolitik verwoben, was seinen Äußerungen auf dem Branchentreffen zusätzliches Gewicht verleiht. Dass ausgerechnet ein Experte seines Profils die Kanada-Politik Washingtons öffentlich infrage stellt, verdient besondere Beachtung.
Sein zentrales Argument: Technisches Know-how und finanzielle Mittel sind nicht dasselbe. Während den USA ausreichend Geld und politischer Wille zur Verfügung stehen, mangelt es an praktischer Erfahrung bei der Erschließung von Rohstoffvorkommen. Diese Lücke lässt sich laut Fishman nicht allein mit Kapital schließen – dafür braucht es Partner mit entsprechender fachlicher Qualifikation.
Bedeutung für den Rohstoffsektor
Für Anleger in Minen- und Rohstoffwerte ist die Debatte insofern von Interesse, als sie die langfristigen Aussichten des Bergbausektors und seiner Versorgungsketten betrifft. Sollten die USA und ihre Verbündeten ihre Kooperation intensivieren, könnten Investitionen in Mineralprojekte in Nordamerika und Australien an Fahrt gewinnen. Sollten sich die Beziehungen zwischen Washington und Ottawa hingegen weiter eintrüben, drohen Verzögerungen bei solchen Vorhaben.
Das Thema fügt sich in eine größere strategische Diskussion ein: Die Abhängigkeit von chinesischen Mineralstoffen wird in den USA zunehmend als wirtschaftliches Sicherheitsrisiko wahrgenommen. Fishmans Auftritt in Colorado Springs belegt, dass diese Frage nicht nur die Politik, sondern auch die Bergbaubranche selbst umtreibt. Ob die politische Führung in Washington seine Warnung ernst nimmt, bleibt abzuwarten.
Fishman verband seine Einschätzung mit einer unmissverständlichen Botschaft an die Politik: Wer die Abhängigkeit verringern will, muss jene Verbündeten einbinden, die über das notwendige Fachwissen verfügen. Kanada und Australien stehen dabei ganz oben auf der Liste. Ohne sie, so die Kernaussage, bleibt der angestrebte Weg aus der Abhängigkeit eine Illusion.
