Waffenruhe für Reparaturen am AKW Saporischschja vereinbart
Russland und Ukraine einigen sich auf lokalen Waffenstillstand zur Wiederherstellung einer kritischen Stromleitung.

Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) hat am Freitag eine lokale Waffenruhe im Süden der Ukraine bestätigt. Ziel ist die Reparatur einer 330-Kilovolt-Hochspannungsleitung, die das Kernkraftwerk Saporischschja mit externer Stromversorgung versorgt. Die IAEA war nach eigenen Angaben maßgeblich an der Vermittlung des Waffenstillstands beteiligt.
Das Kernkraftwerk Saporischschja ist das größte Europas und beherbergt sechs der insgesamt 15 betriebsfähigen Kernreaktoren der Ukraine. Seit den ersten Wochen der russischen Invasion im Februar 2022 steht die Anlage unter russischer Kontrolle. Zuletzt war das Kraftwerk ausschließlich auf externe Stromzufuhr angewiesen, um sicherheitsrelevante Funktionen aufrechtzuerhalten.
Anfang Februar hatte die IAEA gewarnt, dass nur noch eine einzige Versorgungsleitung intakt sei. Militärische Aktivitäten in der Nähe der Schaltanlage des benachbarten Wärmekraftwerks Saporischschja hatten zuvor weitere Leitungen beschädigt. Beide Konfliktparteien beschuldigen sich gegenseitig, durch Angriffe in der Anlage das Risiko eines nuklearen Unfalls zu erhöhen.
Rosatom bestätigt Überwachung durch IAEA-Experten
Das russische Staatsunternehmen Rosatom teilte laut der Nachrichtenagentur RIA Nowosti mit, dass vor Ort befindliche IAEA-Experten die Reparaturarbeiten an der beschädigten Leitung überwachen. Das ukrainische Außenministerium äußerte sich bis Redaktionsschluss nicht zu dem Vorgang. Die Vereinbarung gilt als seltenes Beispiel praktischer Kooperation zwischen den Kriegsparteien in einem sicherheitskritischen Bereich.
Der lokale Waffenstillstand fällt in eine militärisch angespannte Phase des Konflikts. Analysten des renommierten US-Thinktanks Institute for the Study of War stellten fest, dass das fünfte Kriegsjahr für Russlands Präsident Wladimir Putin schlecht begonnen habe. Die ukrainischen Streitkräfte hätten zuletzt die bedeutendsten Geländegewinne seit dem Vorstoß in die russische Oblast Kursk im August 2024 erzielt.
Für Europa ist die Sicherheit des AKW Saporischschja von herausragender Bedeutung. Ein nuklearer Zwischenfall hätte weitreichende Folgen für die gesamte Region. Die IAEA unterhält seit Beginn der russischen Besatzung eine permanente Beobachtermission vor Ort.
