Vingroup gibt LNG-Kraftwerk auf und setzt auf Erneuerbare
Vietnams größter Konzern streicht 4,8-Gigawatt-LNG-Projekt wegen gestiegener Brennstoffrisiken durch den Iran-Krieg.

Vietnams mächtiger Mischkonzern Vingroup hat die Regierung in Hanoi offiziell darüber informiert, seine Pläne für das größte Flüssigerdgas-Kraftwerk (LNG) des Landes aufzugeben. Stattdessen will das Unternehmen auf erneuerbare Energien umschwenken. Als Hauptgrund nennt Vingroup das durch den Iran-Krieg gestiegene Risiko stark steigender LNG-Preise.
Das entsprechende Dokument datiert vom 25. März und wurde Reuters exklusiv zugespielt. Es wurde damit etwa zwei Wochen nach einer bedeutenden Ankündigung verschickt: Der US-amerikanische Energieausrüster GE Vernova hatte zuvor bekanntgegeben, Gasturbinen und Generatoren für das geplante 4,8-Gigawatt-LNG-Kraftwerk liefern zu wollen.
Strategiewechsel mit weitreichenden Folgen
Die Entscheidung Vingroups markiert eine erhebliche Kehrtwende in der vietnamesischen Energiepolitik. Das geplante LNG-Kraftwerk galt als Vorzeigeprojekt für die Versorgungssicherheit des schnell wachsenden südostasiatischen Landes. Der Rückzug des größten privaten Konzerns Vietnams dürfte die Diskussion über die künftige Energiestrategie des Landes neu entfachen.
Der geopolitische Kontext spielt dabei eine zentrale Rolle: Konflikte im Nahen Osten, insbesondere rund um den Iran, erhöhen die Unsicherheit an den globalen LNG-Märkten erheblich. Für ein Kraftwerk dieser Größenordnung wären langfristig verlässliche und bezahlbare Brennstofflieferungen unverzichtbar gewesen.
Für deutsche Anleger und Energiebeobachter ist der Fall aufschlussreich: Er zeigt, wie geopolitische Risiken Investitionsentscheidungen in der Energiebranche weltweit beeinflussen. Auch europäische Unternehmen, die nach dem russischen Angriff auf die Ukraine stark auf LNG-Importe setzen, verfolgen solche Entwicklungen aufmerksam. Die Abkehr Vingroups von fossilem Brennstoff zugunsten erneuerbarer Energien spiegelt zudem einen globalen Trend wider, der durch Preisvolatilität weiter beschleunigt wird.
