Ukraine: Steigende Dieselimporte bannen Versorgungsrisiko im April
Trotz zerstörter Raffinerien sichert die Ukraine ihren Kraftstoffbedarf durch steigende Importe aus Europa.

Die Ukraine hat ihre Dieselimporte zuletzt deutlich gesteigert und damit das Risiko einer Kraftstoffknappheit im April vorerst gebannt. Das Kiewer Beratungsunternehmen Enkorr meldete am Montag, dass die durchschnittlichen täglichen Diesellieferungen zwischen dem 23. und 26. März auf 21.400 Tonnen stiegen – ein Anstieg von rund 10 Prozent gegenüber den 19.400 Tonnen der Vorwoche.
Sollte dieses Tempo anhalten, könnten die Gesamtimporte im März 565.000 Tonnen erreichen. Das würde die bisherigen Erwartungen von 522.000 Tonnen um rund 9 Prozent übertreffen und läge zugleich 9 Prozent über dem Vorjahresniveau, so Enkorr. Händler bestätigten gegenüber dem Beratungsunternehmen, dass aktuell kein eindeutiges Risiko einer Versorgungslücke bestehe.
Energieministerium: April-Bedarf zu 70 Prozent gedeckt
Das ukrainische Energieministerium hatte Reuters bereits in der Vorwoche mitgeteilt, dass der Dieselmarkt für März vollständig versorgt sei. Für April seien bereits rund 70 Prozent des benötigten Bedarfs gesichert. Das gibt der Regierung in Kiew zumindest kurzfristig Planungssicherheit.
Der Hintergrund der angespannten Versorgungslage ist der anhaltende Krieg mit Russland. Russische Raketenangriffe haben die inländischen Raffineriekapazitäten der Ukraine praktisch vollständig zerstört. Das Land ist seitdem nahezu vollständig auf importierten Kraftstoff angewiesen und bezieht diesen aus West-, Mittel- und Südeuropa.
Großhandelspreise durch Nahost-Konflikt unter Druck
Neben der Versorgungssicherheit bleibt die Preisentwicklung ein kritischer Faktor. Enkorr hatte diesen Monat berichtet, dass Händler den Anstieg der Diesel-Großhandelspreise infolge des Krieges im Nahen Osten auf knapp 50 Prozent in weniger als einem Monat bezifferten. Für deutsche Unternehmen und Investoren mit Interesse an osteuropäischen Energiemärkten ist diese Entwicklung ein wichtiger Indikator für die regionale Preisstabilität.
