Nahost-Konflikt löst globale Energiekrise aus: Indien und Australien reagieren
Die Schließung der Straße von Hormus trifft Indien und Australien mit voller Wucht.

Der seit einem Monat andauernde Konflikt im Persischen Golf hat die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr gesperrt und damit eine globale Energiekrise ausgelöst. Besonders hart getroffen sind Indien und Australien, die nun mit Notfallmaßnahmen auf die dramatischen Versorgungsengpässe reagieren. Beide Länder kämpfen mit steigender Inflation und gefährdeten Lieferketten.
In Indien spitzt sich die Lage beim Flüssiggas (LPG) dramatisch zu. Da kaum noch Tankschiffe indische Häfen erreichen, weichen Straßenverkäufer und kleine Gastronomiebetriebe auf teure Alternativen wie Kerosin, Kohle oder Brennholz aus. Die Preise für Standardmahlzeiten an Straßenständen stiegen innerhalb eines Monats um 25 Prozent – die Schwarzmarktpreise für LPG haben sich für einkommensschwache Familien sogar vervierfacht.
Unternehmen wie Patanjali Foods Ltd. berichten bereits von einem spürbaren Rückgang beim Pflanzenölkonsum, da Restaurants ihr Angebot einschränken. Erste Anzeichen einer Landflucht in umgekehrter Richtung – also einer Abwanderung von Arbeitskräften aus Städten zurück in ländliche Regionen – werden sichtbar, weil das städtische Leben zunehmend unbezahlbar wird.
Indien setzt auf Notstandsbefugnisse und Razzien
Die indische Regierung greift mit Notfallbefugnissen durch: Raffinerien werden zur Priorisierung der inländischen LPG-Produktion verpflichtet, der Ausbau des Piped-Natural-Gas-Netzes (PNG) wird beschleunigt. Über 3.000 Razzien gegen Preistreiberei und Hortung wurden bereits durchgeführt. Langfristig setzt Neu-Delhi auf die Umstellung auf alternative Gasnetze, um die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren.
Australien kämpft unterdessen mit Kraftstoffengpässen an Hunderten Tankstellen, die bereits Landwirtschaft und Bergbau belasten – zwei der wichtigsten Wirtschaftssektoren des Landes. Die Bundesstaaten Victoria und Tasmanien haben als Sofortmaßnahme den öffentlichen Nahverkehr vorübergehend kostenlos gestellt, um Haushalte zu entlasten. Die Bundesregierung plant darüber hinaus neue gesetzliche Befugnisse, um private Energieimporte international abzusichern.
Reserve Bank of Australia unter Druck
Die Reserve Bank of Australia (RBA) sieht ihren geldpolitischen Spielraum durch die energiebedingten Preissteigerungen erheblich eingeschränkt. Der Leitzins wurde bereits auf 4,1 Prozent angehoben. Marktteilnehmer rechnen angesichts drohender Entankerung der Inflationserwartungen mit zwei weiteren Zinserhöhungen noch vor Jahresende.
Für beide Länder gilt: Die wirtschaftlichen Wachstumsprognosen hängen maßgeblich von einer Stabilisierung der maritimen Handelsrouten im Nahen Osten ab. Solange die Straße von Hormus gesperrt bleibt, dürfte der Druck auf Preise, Versorgungssicherheit und Geldpolitik weiter zunehmen. Die Krise verdeutlicht, wie verwundbar globale Lieferketten gegenüber geopolitischen Konflikten sind – eine Lektion, die auch europäische Anleger und Verbraucher genau beobachten sollten.
