VAE-Ölförderung halbiert: Hormus-Schließung trifft ADNOC hart
Der Iran-Konflikt und die gesperrte Straße von Hormus zwingen den Staatskonzern ADNOC zu massiven Produktionsstopps.

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihre tägliche Rohölförderung um mehr als die Hälfte reduziert. Grund dafür ist die faktische Schließung der Straße von Hormus infolge des Iran-Konflikts, wie zwei Insider gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters berichteten. Der staatliche Ölkonzern ADNOC sah sich gezwungen, weitreichende Produktionsstopps sowohl an Land als auch auf See umzusetzen.
Die VAE fördern normalerweise knapp unter 3,4 Millionen Barrel pro Tag – das entspricht mehr als drei Prozent der weltweiten Ölnachfrage. Das Land ist drittgrößter Produzent innerhalb der OPEC. Der Ausfall dieser Mengen verschärft die ohnehin angespannte Lage auf den globalen Energiemärkten erheblich.
Am frühen Montag stellte ADNOC zudem die Ölverladearbeiten im Hafen von Fudschaira ein, nachdem ein Drohnenangriff auf die Anlage stattgefunden hatte. Der Betrieb war erst am Sonntag nach einem separaten Angriff am Wochenende wieder aufgenommen worden. Fudschaira gilt als bedeutendes Zentrum für Ölbunkerung und -lagerung.
Gesamte Offshore-Produktion eingestellt
Nach Angaben der Insider betreffen die Stilllegungen – also vorübergehende Schließungen von Bohrlöchern – sowohl die Onshore- als auch die Offshore-Förderung. ADNOC hatte zuvor bereits eine Drosselung der Offshore-Produktion angekündigt; inzwischen ist diese vollständig eingestellt. Vor dem Krieg exportierte ADNOC laut Kpler-Daten rund eine Million Barrel täglich der Offshore-Sorte Upper Zakum sowie knapp 700.000 Barrel des sogenannten Das Blend und etwa 230.000 Barrel aus dem Umm-Lulu-Feld.
Die Straße von Hormus ist das wichtigste maritime Nadelöhr für den globalen Ölhandel. Über sie wird normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Ölangebots transportiert. Eine Blockade dieser Meerenge trifft nicht nur die Golfstaaten, sondern auch Abnehmer in Europa und Asien unmittelbar.
Naher Osten: Bis zu zehn Millionen Barrel täglich fehlen
Auch andere OPEC-Mitglieder im Nahen Osten haben ihre Förderung drastisch zurückgefahren. Saudi-Arabien, der größte OPEC-Produzent, hat die Produktion nach Reuters-Informationen um rund 20 Prozent gekürzt. Der Irak, das zweitgrößte OPEC-Mitglied, drosselte seine Förderung sogar um etwa 70 Prozent.
Analysten schätzen die gesamten Förderausfälle im Nahen Osten auf sieben bis zehn Millionen Barrel pro Tag. Das entspricht sieben bis zehn Prozent der weltweiten Ölnachfrage – ein historisch beispielloser Angebotsschock. Für Verbraucher und Unternehmen in Deutschland bedeutet dies erheblichen Druck auf die Energiekosten.
