Uniper kritisiert Ausschreibungsmodell für Gaskraftwerke
Bundesregierung favorisiert komplexes, dezentrales System – Uniper fordert zentrale Vergütung für Kapazitäten

Der Energiekonzern Uniper hat das von der Bundesregierung vorgeschlagene Modell zur Ausschreibung neuer wasserstofftauglicher Gaskraftwerke kritisiert. Laut dem Vorstandsvorsitzenden von Uniper, Michael Lewis, sei das in Berlin bevorzugte Modell eines dezentralen Kapazitätsmarkts zu komplex und für Investoren schwer nachvollziehbar. Diese Äußerungen machte Lewis in einem Interview, das am Donnerstag von der Nachrichtenagentur Reuters veröffentlicht wurde. Das Bundeswirtschaftsministerium hat verschiedene Modelle für die zukünftige Gestaltung des Marktes vorgestellt. Erst am Mittwoch startete eine sechswöchige Konsultationsrunde, in der die Rahmenbedingungen für den Bau und den langfristigen Betrieb der Gaskraftwerke festgelegt werden sollen. Diese sollen später auch mit Wasserstoff betrieben werden, um die schwankende Stromerzeugung durch Wind- und Solarenergie abzusichern. Geplant ist eine Gesamtkapazität von 12,5 Gigawatt.
Uniper befürwortet hingegen ein zentrales System, bei dem potenzielle Betreiber an Ausschreibungen der Regierung teilnehmen können. Dieses Modell sieht vor, dass den Betreibern eine feste Vergütung für die Bereitstellung von Kapazitäten gezahlt wird, unabhängig davon, wie oft diese Kapazitäten tatsächlich genutzt werden. Im Gegensatz dazu sieht das dezentrale Modell die Ausgabe von Zertifikaten vor, die für Investitionen in Kraftwerksprojekte genutzt werden können.
Lewis betonte in dem Interview, dass der Zweck eines Kapazitätsmarktes darin bestehe, die Bereitstellung von Erzeugungskapazitäten zu vergüten, nicht den tatsächlich erzeugten Strom. Es müsse sichergestellt werden, dass Investitionen für die Betreiber rentabel seien. Mit dem Ausbau von Wind- und Solaranlagen würden die Zeiten, in denen die bereitgestellten Gaskraftwerke tatsächlich eingesetzt werden müssten, immer seltener. Dies stelle für Investoren eine Herausforderung dar, da die Kapitalbindung in Kraftwerke hoch sei, diese jedoch nur selten in Betrieb genommen würden. Dies mache ein einfacheres und transparenteres Modell, wie das von Uniper vorgeschlagene zentrale Ausschreibungssystem, aus Sicht des Unternehmens notwendig.
Die Diskussion über das passende Marktdesign ist entscheidend, um die Energiewende in Deutschland erfolgreich voranzutreiben. Wasserstofftaugliche Gaskraftwerke könnten eine zentrale Rolle spielen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wenn Wind- und Solaranlagen keine ausreichende Strommenge liefern.
