Ukraine plant Gastransit aus Aserbaidschan nach Europa
Nach Auslaufen des Gazprom-Vertrags prüft Kiew neue Versorgungswege für zentraleuropäische Länder

Die Ukraine hat einer vorübergehenden Vereinbarung zur Durchleitung von aserbaidschanischem Gas nach Europa zugestimmt, nachdem der Transitvertrag mit Russland endet, berichtete die Nachrichtenplattform Ukrainska Pravda. Der bestehende Gastransitvertrag zwischen der Ukraine und dem russischen Unternehmen Gazprom läuft Ende dieses Jahres aus, und die ukrainische Regierung hat erklärt, dass sie diesen Vertrag angesichts des andauernden Krieges zwischen den beiden Ländern nicht verlängern möchte. Die Vereinbarung soll jedoch nur eine Übergangslösung darstellen.
Trotz des europäischen Verbots von russischem Gasimporten sind einige zentraleuropäische Länder weiterhin auf Gaslieferungen angewiesen, die durch ukrainische Pipelines transportiert werden. Diese Länder haben eine Ausnahme von den EU-Sanktionen erhalten und sind bestrebt, die Gasversorgung aufrechtzuerhalten. Um diesen Bedarf zu decken, hat die Ukraine die Möglichkeit geprüft, aserbaidschanisches Gas durch ihre Pipelines nach Europa zu leiten, auch wenn dies bedeutet, dass möglicherweise eine Mischung aus russischem und aserbaidschanischem Gas entsteht. Ein Vertreter der ukrainischen Regierung erklärte, dass diese Maßnahme dazu beitragen soll, den Übergang der EU weg von russischem Gas zu erleichtern. Die ukrainische Energiebehörde lehnte es ab, eine offizielle Stellungnahme zu der Vereinbarung abzugeben.
Auf der anderen Seite haben zwei Quellen aus Aserbaidschan, eine aus dem Energieministerium und eine von der staatlichen Energiegesellschaft SOCAR, den Bericht als unzutreffend zurückgewiesen. Sie erklärten, dass keine Einigung über eine solche Transitregelung getroffen worden sei. Dennoch äußerte sich der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev kürzlich optimistisch, dass es bei den Gesprächen über die Fortführung der Gaslieferungen durch die Ukraine Fortschritte geben werde. Es bleibt abzuwarten, ob und wie diese Verhandlungen sich weiterentwickeln werden.
Russlands Gastransit durch die Ukraine wird für das Jahr 2024 auf ein Volumen von etwa 14 Milliarden Kubikmetern geschätzt. Diese Zahl verdeutlicht, wie wichtig die Durchleitung durch die Ukraine weiterhin für die europäische Energieversorgung ist, trotz der geopolitischen Spannungen und der Bemühungen der EU, ihre Abhängigkeit von russischem Gas zu reduzieren. Ob es zu einer endgültigen Einigung zwischen den beteiligten Ländern kommt, bleibt unklar.
