Straße von Hormus: Droht globalen Ölmärkten ein 'Öl-Cliff'?
Analysten warnen vor einem drastischen Versorgungsschock Mitte April, der eine weltweite Rezession auslösen könnte.

Die Eskalation im Konflikt zwischen den USA, Israel und Iran versetzt die globalen Energiemärkte in Alarmbereitschaft. Die Straße von Hormus – Durchgangsweg für rund 20 Prozent des weltweiten Ölangebots – liegt durch iranische Angriffe auf Energie- und Zivilinfrastruktur faktisch still. Experten warnen: Die aktuellen Puffermechanismen, die eine oberflächliche Marktstabilität aufrechterhalten, reichen nur noch bis Mitte April.
Marko Papic vom Analysehaus BCA Research beziffert den aktuellen Ausfall auf 4,5 bis 5 Millionen Barrel pro Tag (bpd) – rund 5 Prozent des globalen Angebots. Bis Mitte des Monats könnte sich dieser Wert laut Papic verdoppeln, sobald die bestehenden Puffer erschöpft sind. Zu diesen Puffern zählen die größte Freigabe strategischer Ölreserven aller Zeiten mit 400 Millionen Barrel sowie temporäre Sanktionsausnahmen für russisches und iranisches Öl.
Selbst ein sofortiges Kriegsende würde keine schnelle Lösung bringen. Sheikh Nawaf al-Sabah, CEO von Kuwait Petroleum Corp., betont, dass die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Förderanlagen drei bis vier Monate in Anspruch nehmen kann – ein strukturelles Problem, das politische Rhetorik nicht überbrücken kann.
Physische Ölpreise weit über Futures-Niveau
Besonders auffällig ist die wachsende Schere zwischen Papierpreisen und physischen Lieferpreisen. Während Brent-Futures seit Konfliktbeginn um 36 Prozent gestiegen sind, haben physische Lieferpreise in Asien um 76 Prozent zugelegt und erreichen aktuell 126 US-Dollar je Barrel. Analysten führen die relative Dämpfung der Futures-Preise auf verbale Interventionen von US-Präsident Trump zurück, dessen Signale zur möglichen Deeskalation den Terminmarkt periodisch beruhigen.
Die Preissteigerungen beschränken sich nicht auf Rohöl. Verflüssigtes Erdgas (LNG) in Japan und Südkorea verteuerte sich um 48 Prozent, Kerosin und Spezialrohstoffe wie Helium verzeichnen ebenfalls starke Preissprünge. Diese Entwicklungen schüren die globale Inflation und drohen das Wirtschaftswachstum abzuwürgen.
Europa droht strukturelle Stagnation
Für Europa ist der Konflikt laut einer aktuellen UBS-Einschätzung ein schwerer makroökonomischer Unsicherheitsschock. Eine vollständige Rezession gilt zwar noch nicht als Basisszenario, doch das Risiko einer strukturellen Stagnation ist erheblich. Im Mittelpunkt steht die Gefahr dauerhaft hoher Energiekosten, die die Kaufkraft der Haushalte aushöhlen und Investitionen bremsen würden.
UBS-Analysten warnen: Bleibt der Energiepreis auf erhöhtem Niveau, könnten Zentralbanken gezwungen sein, restriktive Zinspolitik länger beizubehalten als erwartet. Das würde energieintensive Industriesektoren besonders hart treffen. Institutionellen Investoren wird geraten, auf „Qualität und Resilienz
