Hormus-Blockade: 132 Millionen Barrel Öl stauen sich auf
Hunderte Tanker warten vor dem Persischen Golf – UBS warnt vor Ölpreisen von 150 Dollar und globaler Rezession.

Die Straße von Hormus ist gesperrt, und die Folgen für die globalen Energiemärkte sind bereits messbar. Laut einer aktuellen Analyse des Datenanbieters Kpler für die WirtschaftsWoche stauen sich derzeit 106 Öltanker mit 132 Millionen Barrel Rohöl und Kondensat vor dem Persischen Golf – eine Menge, die etwa dem deutschen Ölverbrauch von zwei Monaten entspricht.
Die Ansammlung ist beispiellos. Zusätzlich zu den Rohöltankern liegen 130 weitere Schiffe mit 48 Millionen Barrel verarbeiteter Ölprodukte vor Anker. Hinzu kommen 14 LNG-Tanker mit 2,4 Millionen Kubikmetern Flüssigerdgas. Die Bestände konzentrieren sich vor allem vor den Küsten der Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabiens.
Infrastrukturschäden entscheiden über Preisentwicklung
Ob diese schwimmenden Reserven nach einer Öffnung der Meerenge den Markt stabilisieren können, ist ungewiss. Militärische Angriffe haben die Energieinfrastruktur der Region schwer beschädigt: Betroffen sind unter anderem die Raffinerie des iranischen Gasfeldes South Pars sowie Anlagen in Katar. Experten schätzen, dass die Reparaturarbeiten Jahre dauern könnten.
Bleibt die Infrastruktur jedoch weitgehend intakt, könnten die aufgestauten Rohstoffmengen als kurzfristige Erstversorgung dienen und den Preisdruck zumindest vorübergehend dämpfen. Entscheidend ist dabei die Geschwindigkeit, mit der die Lieferwege wieder geöffnet werden.
UBS warnt vor Ölpreis von 150 Dollar und Stagflation
Die Schweizer Großbank UBS hat verschiedene Szenarien für die wirtschaftlichen Folgen durchgerechnet. In einem milden Szenario mit rascher Normalisierung blieben die Auswirkungen auf die USA begrenzt, während Europa wegen seiner höheren Energieabhängigkeit eine konjunkturelle Abschwächung spüren würde.
Bei anhaltenden Störungen über Wochen oder Monate prognostiziert UBS einen Ölpreisanstieg auf 150 US-Dollar pro Barrel oder darüber hinaus. Die Folgen wären gravierend:
- Weltweiter Inflationsanstieg, besonders stark in Europa
- Technische Rezession in den USA und Europa im Extremszenario
- Stagflation in Europa mit einer Inflation von über 4 Prozent
- Signifikant steigende Credit Spreads bei europäischen Hochzinsanleihen
Die Europäische Zentralbank geriete in ein klassisches Dilemma: Soll sie die Wirtschaft stützen oder die Inflation bekämpfen? Bisherige Stabilisierungsversuche, darunter die Freigabe strategischer Ölreserven durch die USA Mitte März, zeigten angesichts der drohenden Eskalationsspirale bislang nur geringe Wirkung.
